2,4 GHz Fernsteuerung

Geschrieben von am 10. März 2010 | Abgelegt unter

Meine 2,4 GHz Fernsteuerung: eine Futaba T7C

Meine 2,4 GHz Fernsteuerung: eine Futaba T7C

Das war ein Paukenschlag in den Modellbaukreisen, als so um das Jahr 2007 herum das Stichwort “2,4-GHz Technologie” die Runde machte! Doch was ist das?

Zunächst etwas Physik: Hz ist die Abkürzung für “Hertz” was ein Maß für die Schwingungen pro Sekunde ist. Eine Funkwelle mit 1Hz schwingt einmal in der Sekunde, eine mit 1KHz 1000 mal in der Sekunde usw.

Bis zur 2,4 GHz Technologie waren im Modellbau Frequenzen von 27, 35 oder 40MHz üblich, also Funkwellen, die 27.000.000 bzw. 35.000.000 oder 40.000.000 mal in der Sekunde schwingen. 2,4GHz dagegen bedeutet 2.400.000.000 mal pro Sekunde!

Nun ist es so, dass je höher die Frequenz ist, also je schneller die Welle schwingt, je größer auch die Informationsdichte ist, die übertragen werden kann. Mit DSL könnt ihr auch viel besser surfen als mit einem Modem, gell?


Die alte Technologie

Für jede Übertragung von Sender zu Empfänger muss ein Kanal benutzt werden. Das ist bei den alten MHz-Bändern zum Beispiel ein kleiner 10 KHz breiter Ausschnitt aus dem ganzen 35 MHz Bereich. Somit war die Anzahl der möglichen Kanäle in diesem Bereich stark eingeschränkt, sie wurden sogar durchnummeriert. Sender und Empfänger arbeiteten fest auf diesem Kanal, ein Wechsel war nur durch neue so genannte Quarze möglich. Diese Quarze bestehen aus einem winzig kleinen, exakt auf den Kanal zurecht geschliffenen Quarzkristall und sind sehr, sehr empfindlich gegenüber mechanischen Einflüssen wie z.B. Motorvibrationen.


Die neue Technologie

Auf dem 2,4GHz gibt es nun mehrere tausend dieser Kanäle, sie sind gar nicht mehr nummeriert. Die moderne 2,4GHz Technologie braucht keinen Quarze mehr und sucht sich automatisch einen freien Kanal und nutzt diesen. Wir haben also keine feste Zuordnung eines Kanals mehr in unserer Fernsteuerung und damit auch keine Gefahr mehr, dass eine Kanaldoppelbelegung für Störungen sorgt!

Doch Vorsicht, es gibt riesengroße Unterschiede in der Nutzung des 2,4 GHz Bandes! Manche einfachen 2,4 GHz Fernsteuerungen nehmen sich nur einen oder zwei dieser Tausenden von Kanälen und bleiben stur auf diesen beharren. Erst beim Aus- und Wiedereinschalten werden wieder neue Kanäle gesucht. Das kann zu den unerwünschten Störungen führen, wenn durch widrige Umstände diese blockierten Kanäle gestört werden.


FASST-System von Futaba

Das FASST-System von Futaba dagegen nutzt alle Kanäle im gesamten 2,4 GHz Band. Es springt innerhalb von tausendstel Sekunden von einem zum anderen Kanal und ist somit viel weniger anfällig gegenüber Störungen. Ein Riesenvorteil ist das!

Denn einen Nachteil haben diese hohen Frequenzen der 2,4 GHz Technologie. Solche hochfrequenten Funkwellen breiten sich ähnlich wie Licht aus und es gibt Funkschatten, die im 35 MHz Band so gut wie unbekannt sind. Denn 35 MHz-Wellen verhalten sich im Vergleich eher wie Schallwellen, sie durchdringen auch kleine Hindernisse. Nun kann es sein, dass durch eine unglückliche Stellung Modell zu Sender just dieser gerade benutzte Kanal in einem Funkschatten liegt und nicht richtig arbeitet. Das wäre dann fatal bei einem System, das nur ein oder zwei Kanäle nutzt. Mit FASST dagegen merkt man das gar nicht, weil blitzschnell der fehlerhafte Kanal innerhalb einer Millisekunde gewechselt wird. Und auf dem neuen Kanal klappt wieder alles famos. Kleinste Unterschiede in den Frequenzen sorgen hier oft für große Unterschiede im Empfangsverhalten.

Wegen dieser Abschirmungseffekte sind auch die hochwertigen Empfänger der 2,4GHz Technologie mit zwei Empfangsteilen ausgerüstet, quasi zwei Empfänger in einem Gehäuse. Einer von beiden wird immer ein gutes Signal empfangen und eine kleine Elektronik schaltet immer in Millisekunden auf das Empfangsteil mit dem jeweils besseren Signal um. Deren Antennen sollen wir dann auch fein im 90° Winkel zueinander im Modell verlegen, um allzeit guten Empfang zu haben und gegen alle Unwägbarkeiten gefeit zu sein.


Sender und Empfänger bekannt machen

Eine Eigenart haben alle diese Systeme der 2,4 GHz Technologie: sie müssen “gebunden” werde, wir sagen “binding” dazu. Sender und Empfänger werden einander bekannt gemacht und verheiratet. Dieser Empfänger hört nur noch auf seinen Sender. Jedenfalls solange er nicht neu “gebindet” wird. Doch keine Bange, das ist in Sekundenschnelle erledigt und muss nur einmal für jeden Empfänger gemacht werden.

Noch ein kleiner aber nicht zu unterschätzender Vorteil ist die kurze Antenne der 2,4 GHz Technologie. Das ist nur ein kleiner Stummel, wohingegen bei 35 MHz eine meterlange Teleskopantenne üblich ist (die auch erhältlichen Wendelkurzantennen sollen nicht so gut sein). Und diese Dinger sind wirklich sperrig und brechen schnell ab! Ihr glaubt ja gar nicht, wie viele Antennen ich in meinem 35 MHz Leben verschlissen habe, weil ich Tollpatsch sie versehentlich abgebrochen habe.

5 Kommentare zu “2,4 GHz Fernsteuerung”

  1. am 14. März 2010 um 18:01 1.Thomas schrieb …

    Hallo Kollege Klaus,

    noch einen großen Vorteil von 2,4GHz möchte ich dir schildern. Wir haben in unserem Verein eine Schleppmaschine. Die darf jeder fliegen. Er muss nur die Akkus laden, Sprit beschaffen und seinen eigenen Sender benutzen.

    Mit dem alten PPM-Empfänger war das mit dem eigenen Sender so eine Sache. Jeder muss seinen Quarz wechseln. Es war eine ewige Schrauberei und an einen Wechsel im laufenden Schlappbetrieb war gar nicht zu denken. Es bestand immer die Gefahr dass der aktuelle Kanal und die Klammer vergessen wurde. Das ging schon einmal in die Hose, da hat´s gescheppert.

    Jetzt haben wir auf Fasst umgerüstet (weil die allermeisten bei uns das Fliegen) und der Senderwechsel ist auf einmal nur kurz Binden des Empfängers. Wir können jetzt alle schleppen und geschleppt werden, in Sekundenschnelle ist gewechselt: gerade eben schleppt uns der Fritz und gleich drauf kreist er mit seinem Segler in der Thermik. Kanal ist egal, jeder kann mit jedem.

    Uns hat das jedenfalls ganz neue Schleppwelten geöffnet!

    Liebe Grüße

    Thomas

  2. am 13. April 2012 um 16:30 2.ludwig schrieb …

    Newletter bitter !

  3. am 30. Mai 2012 um 18:28 3.Sandesh schrieb …

    Hallo,
    einen großen Nachteil gibt es aber noch: Ein Empfänger der einen Marke kann nur mit einem Sender derselben Marke gebunden werden.
    Heißt, man muss sich schon vorher entscheiden ob man teils hohe Empfängerkosten auf sich nehmen will oder ob man z.B. Telemetrie nutzen will.
    Sandesh

  4. am 5. September 2012 um 15:48 4.Flo schrieb …

    Hallo Klaus!
    Ich hab mal eine Frage:
    Als es noch kein 2.4 Ghz gab, wurden Großflugmodelle und Jets mit Mhz Anlagen geflogen. Als 2.4 Ghz rauskam, flog man die wertvollen Modelle damit. Und jetzt wird z.B. das FHSS bzw. S-FHSS von Futaba nicht für Großflugmodelle und Jets empfohlen. Kann mir das mal jemand erklären? Außerdem sieht man heutzutaga auch noch oft, dass große Modelle mit Mhz Anlagen geflogen werden.
    Viele Grüße,
    Florian

  5. am 19. September 2012 um 14:25 5.Klaus schrieb …

    Lieber Florian,

    ach, da muss ich etwas ausholen: 2,4GHz ist nicht gleich 2,4GHz und Mhz ist nicht Mhz und 35MHz im speziellen ist nicht gleich 35MHz… Und grundsätzluch gilt: Das Bessere ist der Feind des Guten! Oder: Warum ein Mehr an Sicherheit nicht nutzen?

    Also, du schreibst „Mhz“ und meinst wohl die bis vor nicht allzu langer Zeit gebräuchlichen 35MHz Anlage, Denn ganz früher wurde auch mit 27MHz oder 40MHz oder 433MHz geflogen. Damals gab es zwei Übertragungssysteme: PPM und PCM. Ohne auf die Details einzugehen, war PCM deutlich sicherer als PPM. Und als die ersten PCM-Anlage heraus kamen, wurde die teuren, großen Modelle mit PCM geflogen.

    Dadurch waren die PPM_Anlagen nicht schlecht, sondern PCM war schlicht besser, weil sicherer. Genauso war es als die – ich nenne sie mal so – „guten“ 2,4GHz Anlagen verfügbar waren. Die waren sicherer als 35MHz PCM Anlagen. Aber die waren dadurch ncith plötzlich schlecht! Denn es gab auch, ja es gibt sie noch, weniger gute 2,4GHz-System. Ein großer Anbieter, den ich hier nicht nennen möchte, hat mit seinem ersten 2,4GHz-System viel Reputation verloren, weil es deutlich schlechter war als selbst 35MHz PPM Anlagen und unbestritten viele Abstürze verursacht hat.

    Nun zu den guten und nicht so guten 2,4GHz Anlagen. Das Futaba FASST ist meiner nach das beste, weil sicherste System auf dem Markt. Die FHSS bzw. S-FHSS sind auch gut, aber haben weniger Reichweite und sind halt den „Ticken“ weniger robust und übertragungssicher als FASST. Daher sagt robbe Futaba: wenn ihr große, schnelle, teure Modelle fliegt, dann nehmt das sicherste, das wir haben: FASST. Das ist halt besser als das schon gute FHSS. Maßgeblich ist aber die im Vergleich zu FASST verringerte Reichweite von FHSS, denn mit einem Jet bist du schnell 300 oder 500 Meter weit weg!

    Ich hoffe, ich habe es verständlich erklärt. Viele Grüße

    Klaus

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