Meine lieben Freunde, ich möchte euch gerne erzählen, was ich dieser Tage mit meinem Segelboot erlebt habe. Es ist gottlob nichts passiert, jedoch lernt bitte aus der Geschichte, dass ihr – anders als ich es getan habe – erst nachdenkt und dann handelt! Eile mit Weile.

Der Frühling, der gute, der lies ja dieses Jahr recht lange auf sich warten. Umso freudiger war ich, als neulich das erste Mal die Sonne schien und ein hurtiges Lüftchen wehte. Ei, das versprach doch einen schönen Abend am See, auf dass die „True Blue“ in eiliger Fahrt über das Wasser gleiten wird! Leider war ich nicht zeitig von der Arbeit gekommen und somit zeitlich etwas angespannt. Schnell das Mofa gepackt und hinaus gefahren zum See.

Nun hatte ich in Erinnerung, dass die „True Blue“ etwas luvgierig war, also gerne ihren hübschen Bug in den Wind dreht. Das wollte ich durch ein paar kleine Trimmarbeiten mindern. Gedacht, getan. Am Ufer verstellte ich etwas an den Seilen und unternahm eine kleine Testfahrt nicht weit vom Ufer entfernt.  Das lief schon viel besser aus und schnurgerade lief sie im Wind und hielt den Kurs.  Dann ein wenig hin und her gekreuzt, doch schwupp – kaum hatte ich es mitbekommen – eine starke Böe wehte über den See und das gute Boot verfing sich dicht am Ufer in einem Busch. Es  gab kein Fortkommen mehr und das Boot war vom Ufer aus nicht zu erreichen. Es fehlte noch nicht einmal ein Meter, um zum Boot zu langen. Was tun? Nun, es war ja nicht kalt. Geschwind die Schuhe und die Socken ausgezogen und den einen entscheidenden Schritt ins Wasser getan. Schon hatte ich meine „True Blue“ wieder!

Nun ans rettende Ufer retour, die „True Blue“ ausgeschaltet, meine Füße getrocknet und schnell wieder in Socken und Schuhe verpackt bevor ich mich erkälte. Zum Glück war nichts geschehen außer meinen nassen Füßen, ich konnte tief durch atmen. Nun, dachte ich mir, dann drehen wir noch eine Runde bevor es dunkel wird, wo doch die „True Blue“ nun so schön läuft! Also nochmal geschwind das Boot ins Wasser gesetzt. Schnurgerade, ohne dass ich irgendetwas korrigieren musste. Das war sehr schön anzusehen!

Ahnt ihr, was kommt? Beim Modellfliegen bin ich ein sehr vorsichtiger Mensch, der vor jedem Start sorgsam das Gerät kontrolliert und eine Ruderkontrolle durchführt: bewegt sich jedes Ruder auch tunlich so wie es soll? Das hatte ich hier nun nicht getan und kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort. Ich hatte nämlich vergessen, das Segelboot wieder einzuschalten! Und das merkte ich erst als es zu spät war. Die „True Blue“ war schon 10, 20 Meter vom Ufer entfernt und fuhr munter weiter geradeaus…

Und jetzt? “Mein” See ist recht länglich und ich stand quasi am Fußende des Sees, während sich das Boot zum Kopfende hin bewegte, der Wind kam leicht von rechts. Wohin wird sie wohl fahren? Ans rechte oder linke Ufer? Oder gar bis zum Kopfende des Sees? Das wäre übel, denn das Kopfende ist über und über mit Gestrüpp bewachsen, da wäre ich nie von der Landseite an die „True Blue“ heran gekommen, da hätte es ein Schlauchboot gebraucht.

Das linke oder das rechte Seeufer ist besser fürs Anlegen geeignet. Jedoch welches Ufer wird es werden? Soll ich sie am linken oder rechten Ufer verfolgen? An beiden Seiten gibt es schöne Fußwege am Ufer entlang, überall kann ich das Boot aus dem Wasser nehmen. Aber wenn ich mich für eine Seite entscheide und die „True Blue“ auf der anderen Seite anlandet, dann müsste ich wieder komplett um den See herumlaufen. Und wie ich unsere lieben Mitmenschen kenne, hätte dann bestimmt schon jemand das herrenlose Boot “adoptiert”. Ein Passant kann ja nicht wissen, dass ich auf der anderen Seite des Sees stehe und die „True Blue“ mir gehört.

Langer Rede kurzer Sinn: ich entschied mich nach einigem Zuschauen und Beobachten für das linke Seeufer und folgte der „True Blue“ am Ufer entlang, während das Boot fein mitten auf dem See weiter fuhr. Langsam kam sie immer näher ans Ufer heran. Doch leider rückte das unwirtliche Ende des Seen auch immer näher. Und ganz langsam ging die Sonne unter. Ach, was habe ich gebangt… Und das Boot fuhr so schön, schöner als wenn ich gesteuert hätte!

Letztlich ist es dann aber doch gut gegangen. Die „True Blue“ legte besser als ich es je gekonnt hätte just an einem der Stege an, die sich am linken Ufer befinden. Ein großer Seufzer beendete den Abend, als ich mein Boot wieder in den Händen hielt!

Also lernt bitte aus meinem Erlebnis: auch wenn es “nur” ein Segelboot ist, immer redlich eine Ruderkontrolle vor JEDEM Start durchführen. Und wenn ihr noch so in Eile seid, Sicherheit zuerst!


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