Das richtige Flugmodell für den erfolgreichen Einstieg ins Hobby

Geschrieben von Klaus am 10. August 2010 | Abgelegt unter Für Anfänger, Test & Tipps

Ich mit meinem EasygliderGott zum Gruße, liebe Modellflieger und alle, die es werden möchten! Gerade von Letzteren, den Freunden, die unser schönes Hobby teilen wollen, werde ich häufig per E-Mail gefragt, mit welchem Modell man denn am besten beginnen soll. Lasst mich heute etwas darauf eingehen.

Auch wenn manche den Motorfliegern den Vorzug geben, bin ich doch der Meinung, dass das erste Modell ein Segelflugzeug mit Hilfsmotor sein soll, nein sein muss! Warum? Nun, das hat drei Gründe:


1. Steuern lernen

Weil die Flugzeit eines Seglers mit elektrischen Motor immer recht lang ist. Eine halbe Stunde am Stück ist so gut wie immer möglich – auch ohne Thermik. Das gibt dem Anfänger viel Zeit zum Üben. Und viel Flugzeit ist das A und O beim Erlernen des Steuerns.

2. Mehr Reaktionszeit
Ein Segelflugzeug für Beginner ist langsamer als die meisten Motormaschinen. Deshalb kann der ungeübte Pilot länger überlegen, bevor er steuert. Er bekommt mehr Reaktionszeit geschenkt.

3. Exaktes Steuern trainieren
Da ein Segelflugzeug mit ausgeschaltetem Motor ja nur von seiner Flughöhe zehrt und jeder unnötige Ruderausschlag Widerstand erzeugt und damit Flugzeit kostet, lernt der Einsteiger von Anfang an das saubere und exakte Steuern. Er “übersteuert” nicht, was bei Motormaschinen außer einer unruhigen Flugbewegung wenig Konsequenzen hat. Beim Segler spürt man das aber sofort an der Gleitzeit. Die Rückmeldung vom Auge über das Gehirn an die Hände am Sender wird wesentlich feinfühliger trainiert als bei den eher groben Motormaschinen.

4. Intensive Beobachtung
Und der vierte der drei guten Gründe für ein Segelflugzeug ist, dass wir mit einem Segler die Natur viel intensiver beobachten und erleben, wenn wir auf Thermikjagd gehen. Wo ist ein Bussard unterwegs? Sind das nicht Schwalben, die dort in der Thermik aufgewirbelte Insekten vernaschen? Wo sind Aufwinde?

Was muss ein Anfängersegelflugzeug können?
Nun, es muss ruhig und ausgeglichen fliegen und aus jeder Fluglage, mag sie noch so seltsam sein, von ganz alleine in eine normale horizontale Flugbahn zurückkehren. Das nennen wir “Eigenstabilität”. Stellt euch einfach vor, ihr habt euch dermaßen “verknüppelt” und falsch gesteuert (was am Anfang immer wieder vorkommt. Und nicht nur am Anfang…), dass ihr gar nicht mehr wisst, wie der Flieger denn in der Luft liegt, geschweige denn wie ihr ihn wieder beruhigen könnt. Beim einem anfängertauglichen Modell schaltet ihr einfach den Motor aus, lasst alle Knüppel los und wartet ein paar bange Sekunden. Genug Flughöhe vorausgesetzt, wird sich dann das Modell von ganz alleine wieder beruhigen und geradeaus weiter fliegen als wäre nichts geschehen.

Robust sollte es sein
Und ganz wichtig für ein erstes Segelflugmodell ist seine Robustheit. Glaubt mir, ihr werdet zu Anfang ganz sicher keine sauberen Landungen hinlegen. Ihr werdet häufig eher unsanft ankommen denn sanft aufsetzen. Auch mir altem Hasen passiert das immer mal wieder auch heute noch. Ein gutes Anfängermodell muss solch unsanfte Bodenberührungen mit links wegstecken ohne einen Schaden davon zu tragen. Denn ihr wollt und sollt mehr Fliegen als Reparieren. Früher, zu “meiner Zeit”, als die Modelle aus Holz waren, war diese Art von Robustheit nur im wahrsten Sinne des Wortes schwer zu erreichen. Stabile Modelle waren schwere Modelle waren schnelle Modelle waren keine Anfängermodelle. Da habt ihr es heute dank der Schaumstoffmodelle viel leichter. “Leicht” auch wieder wortwörtlich gemeint!

Ein gutes Anfängermodell hat auch eine recht ordentliche uns schon stattliche Größe. Dadurch fliegt es ruhiger und ist in großen Höhen noch gut zu erkennen. Große Flughöhen sind für den Anfang überlebensnotwendig, weil nur sie uns genug Zeit verschafft, um kritische Situation zu meistern. Die große Spannweite macht unser schönes Flugzeug auch unempfindlicher gegenüber dem Wind und seinen Böen. Faustregel: alles über 1,5 m ist in Ordnung.

Was darf ein Anfängermodell nicht sein?
Schnell darf es nicht sein, weil der Beginner seine Reaktionen noch nicht automatisiert hat. Er weiß zwar was zu tun ist, aber das Hirn braucht mangels Übung noch lange Zeit, um die richtigen Befehle an die Hände zu übermitteln. Diese Zeit ist für ein schnelles Flugzeug oft zu lang und schon macht es “plumps”.

Kritisch zu fliegen darf ein Anfängermodell auch nicht sein. Kritisch bedeutet hier, dass es zum Beispiel abkippt und trudelt, wenn man es zu langsam fliegt. Oder dass es sich eben nicht von selbst wieder aufrichtet, wenn es zum Beispiel im Sturzflug ist und wir die Hände vom Sender nehmen.

Nicht zu leicht gebaut
Es darf auch nicht zu leicht gebaut sein, dass es bei jeder unsanften Landung entzwei geht. Es darf aber auch nicht zu schwer sein, denn ein schweres Flugzeug hat mehr “Schwung” bei der ungewollten Bodenberührung und dieser Schwung macht auch häufig viel kaputt (siehe Newton “träge Masse”, wer im Physikunterricht aufgepasst hat).

Nicht zu klein
Klein darf das Modell auch nicht sein. Unter 1,50m Spannweite werden die Modelle oft “zappelig” und nervös. Dazu werden sie noch vom Wind gebeutelt, denn auch wenn unser Modell kleiner wird, der Wind wird es nicht und weht für alle vom kleinsten Modell bis zum Airbus A380 gleich. Kleine Modelle sind nichts für den Anfang, lasst euch bitte nicht von Werbeversprechen oder vermeintlich kleinen Preisen locken!

Empfehlung für ein gutes Einsteigermodell
Nun habe ich euch von den Vorteilen eines Segelflugzeuges überzeugen können? Ja? Fein, dann stellt sich nur noch die Frage welches Modell es denn sein soll. Ich habe in den letzten Jahren nichts besseres für den Einsteiger kennen gelernt als den “Easyglider” von Multiplex. Ob nun die “alte” Version mit Getriebemotor oder die “Pro” Version mit einem Brushless-Antrieb, in den Flugeigenschaften tun die beiden sich nichts. Wohl würde ich aber heutzutage nur noch die modernere Pro-Version neu kaufen.

Der Easyglider von Multipflex

Der Easyglider von Multipflex

Der “Easglider” ist zum einen groß genug mit seinen einmeterachtzig Spannweite, um stabil und ruhig zu fliegen. Auch in großen Flughöhen können wir ihn und seine Fluglage noch sehr gut erkennen. 1,80 Meter sind aber noch gut zu transportieren und sind besonders bei der Landung noch nicht so sperrig und ausladend, dass wir uns Sorgen machen müssen immer perfekt aufsetzen zu müssen.

Propeller Easyglider MultiplexDann hat der gute “Easyglider” für eine Schaumwaffel ein erstaunliches Leistungspotenzial! Er ist ein richtig guter Segler, der Thermik sehr gut annimmt und uns dadurch lange Flugzeiten beschert. Er ist weiß Gott kein Fallschirm, der nur den Weg nach unten kennt. Nein, wir können mit ihm prima das schöne Segeln und das Spiel mit der Natur kennenlernen.

Gesteuert wird der Easyglider über Seiten-, Höhen- und Querruder. Viele alte Hasen sind zwar der Meinung, dass ein Anfänger sich mit Seiten- und Höhenruder begnügen sollte, doch da bin ich anderer Ansicht. Von Beginn an mit allen Rudern zu steuern halte ich für besser, weil man sofort die richtige Koordination der Ruder miteinander erlernt. Dazu kommt noch, dass wir die Querruder als Landehilfe nutzen können, als Bremse quasi. Das macht vieles viel einfacher! Und nicht zuletzt: wenn wir als Anfänger aus dem gröbsten heraus sind, dann wird uns ein Modell mit Querrudern nicht so schnell langweilig, weil mir dann nämlich schon die ersten Schritte in Richtung Kunstflug unternehmen können. Das Herumtollen und -toben macht auch mit einem Segelflugzeug richtig viel Spaß!

Mein Tipp also für den absoluten Neuling: Mulitplex “Easyglider Pro”! Einfach zu bauen, robust und knuffig, mit ordentlichen Leistungen und wird nicht langweilig!

Mein wichtigster Tipp für den absoluten Neuling ist aber der folgende: probiert die ersten Schritte bitte niemals alleine! Sucht euch einen erfahrenen Modellflieger, der zumindest die ersten zwei, drei Flüge mit euch gemeinsam unternimmt. Er kann das Flugzeug auf Baumängel prüfen und eventuelle grobe Einstellfehler bei den ersten Trimmflügen korrigieren. Damit wärt ihr als blutige Anfänger überfordert und allzu schnell hättet ihr statt eines stolzen Flugzeuges einen Haufen Schaumstoff vor euch liegen, den ihr nur noch in der gelben Tonne entsorgen könnt.

Hier findet ihr auch weitere Links aus meinem RC Modellbau Blog:

Erfahrungsbericht und Vorstellung Easyglider von Multiplex
Tipps und Tricks für Anfänger


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