Servus miteinander,

zur Abwechslung mal wieder ein Artikel von mir (Rüdiger) zum Thema Helis. Wir werden häufig von Anfängern gefragt, wo die Unterschiede der verschiedenen Systeme der Helis liegen?
Nun, aus diesem Grund wollen wir uns heute die einzelnen Systeme der Helis mal etwas genauer anschauen.


Was ist ein Kreisel?
Wenn der Rotor angesteuert wird, ändert sich das Drehmoment am Rotor. Dadurch will der Heli sich um den Rotor drehen, das muss durch den Heckrotor verhindert werden. So schnell kann aber kein Mensch reagieren, dafür gibt es Kreisel. Die merken, wenn der Heli sich drehen will, und steuern automatisch entgegen. Früher waren das wirkliche “Kreisel”, also ein sich drehendes Gewicht, das eine Kraft erzeugt, wenn er bewegt wird. Diese Kraft wurde elektrisch erfasst und steuerte einen Servo. Heute sind das elektronische Bauteile – zuerst Piezo-, heute Micromagneten –  dennoch nennen wir das immer noch Kreisel oder Gyro auf Englisch. Neuester Stand sind Heading-Hold-Kreisel, die halten die Nase des Helis wie angenagelt in einer Richtung. Zum Schweben (hovern) oder rückwärts fliegen sehr gut, zum Rundflug oder Kunstflug kann man die Empfindlichkeit herunter regeln (am Sender).


Koax
Koax = koaxial, d.h. es ist kein Heckrotor also auch kein Kreisel vorhanden, aber zwei Rotoren, die übereinander auf der gleichen Achse angeordnet sind: koaxial eben.
Vorteil: Sehr einfach zu fliegen, kleben an einer Stelle, sehr eigenstabil im Flugverhalten. Perfekt für den Einsteiger, um sich an das Verhalten eines Helis zu gewöhnen. Riesenspaß, wenn mehrere gleichzeitig unterwegs sind.
Nachteil: Nicht sehr wendig, kein Kunstflug, sehr langsam, nur bei ganz schwachem Wind zu fliegen, also eher für die Halle oder für Null Wind draußen, sonst werden sie abgetrieben.

Video eines Koaxial-Helis:


Single-Rotor
Der Single-Rotor ist erkennbar an einer Querstange mit Gewichten am Rotor. Diese Stabstange bringt Ruhe ins System, dadurch ist der Single-Rotor wendiger als der Koax, aber dennoch sehr eigenstabil.
Vorteile: etwas flinker als Koax ohne allzu nervös zu sein
Nachteil: kein wirklicher Schritt nach vorne für einen Anfänger

Hier ein Video mit Single-Rotor:


Paddel- oder Flybar-System
Der klassische Modellhubschrauber besitzt ein Paddel- oder Flybar-System. Dazu kurz etwas zur Geschichte: Wegen der geringen Massen funktioniert ein direkt angelenkter Rotor nicht im Modell. Der Trick, durch den Ende der 1970er das Modellhubschrauberfliegen erst möglich wurde, waren die “Paddel” (engl. Flybar). Dies ist ein kleiner zweiter Rotor, der angesteuert wird und dieser lenkt dann die eigentlichen Rotoren an (Stichworte Bell-Hiller, Schlüter (das erste flugfähige Modell-Hubschraubersystem). Ganz zu Anfang war noch das Problem des Kreisels. Die gab es in den 70er noch nicht, da waren Könner gefragt, die blitzschnell auf dem Heckrotor reagieren konnten. Mit der Erfindung des Kreisels entschärfte sich das sehr.
Vorteil: Sehr gutes Ansprechverhalten an die Steuerung, wendig, schnell, bis hin zum 3D Kunstflug. Kann in Grenzen über die Hiller-Gewichte angepasst werden von “fliegt wie ein Koax” bis zu “braucht einen Profi am Knüppel”
Nachteil: Komplexe Mechanik, weniger Eigenstabilität als ein Koax, nur 2-Blatrotoren sind möglich, Einstellarbeiten erfordern tiefes Know-How.

Video: Heli mit Flybar-System


Flybarless
Die moderne Elektronik eliminiert auch das Paddel und Kreisel. Sie sorgt für Stabilität auch ohne das Paddel. Aber ohne Elektronik ist der Heli nicht mehr fliegbar! Das ist “State of the Art”.
Vorteil: Durch die Einstellbarkeit der Elektronik von “Koax” bis “unfliegbar” justierbar. Alles ist drin: Vom fast automatisches Schweben auf der Stelle bis zum extremsten 3D-Kunstflug und härteste Steuermanöver und hohen Geschwindigkeiten. Für die Scale-Fans: Vorbildähnliche Rotorköpfe mit 3, 4, 5 oder mehr Blättern sind möglich, weil auf das Paddel verzichtet wird.
Nachteil: Ganz klar der Preis (ist aber stark fallend). Und!!! Fällt die Elektronik aus, fällt der Heli runter:-(

Video: Heli mit Flybarless System


Quadrocopter
Sehr spezielle Eigenart eines “Hubschraubers” Vier oder mehr Motoren mit Propeller, die senkrecht nach oben gerichtet sind, ziehen das Fluggerät nach oben. Die Steuerung erfolgt über die gezielte Änderung der Drehzahl eines oder mehrerer Motoren. Stabilität ergibt sich durch eine Elektronik, die mit drei “Kreiseln” die Lage im Raum erkennt und entsprechend die Drehzahl der Rotoren / Propeller regelt. Ohne diese Elektronik ist so ein Ding nicht zu fliegen. Oft sind diese Geräte noch mit einem GPS-Empfänger versehen, der es ermöglicht vorher definierte Flugrouten abzufliegen. Damit ist dann auch ein “Blindflug” möglich. Häufig dient dann eine eingebaute Kamera mit Rückfunk des Bildes / Videos zum Piloten dazu, quasi ein Mitfliegen vorzugaukeln. Stichwort FPV = First PersonView. Achtung: die Rechtslage ist in Europa, speziell in Deutschland mittlerweile geklärt: Mit Kamera und “Blindflug”  sind Fluggeräte vor dem Kadi keine Modellflugzeuge mehr! Da ist man illegal unterwegs ohne Versicherungsschutz!

Quadrocopter Video:


Ein Kommentar zu “Heli-Systeme: Koax, Single-Rotor, Flybarless, Quadrocopter”

  1. am 9. Dezember 2012 um 20:26 1.MigtherXD schrieb …

    einfach nur geil