Einen frostigen aber fröhlichen Gruß allerseits!


Klimawandel hin oder her, trotz der grimmigen Kälte und dem ganzen Schnee: auf unser Hobby wollen wir doch nicht verzichten, gell? Doch was müssen wir bei der Kälte beachten, damit wir frohen Mutes unserem Hobby frönen können? Lasst mich euch von meinen Erfahrungen berichten.

Vor der Maschine kommt immer der Mensch! Zunächst kümmern wir uns um unser leibliches Wohl. Das fängt mit einem guten Frühstück an, bevor wir uns in die Kälte draußen auf der Flugwiese begeben. Unser Stoffwechsel braucht ja etwas zum Verbrennen, damit er unsere 36°C Körpertemperatur halten kann. Dann mummeln wir uns richtig gut ein: zwei Paar Socken, lange Unterhosen, ein warmes Unterhemd, usw. Hier gilt, je mehr Schichten desto besser. Zwiebelprinzip nennt man das, denn mehrere dünnen Kleidungsstücke halten wärmer als ein dickes! Ganz wie eine Zwiebel mit ihren Schichten sollen wir uns anziehen, damit es uns nicht friert.

Und wir vergessen nicht unsere Hände und unseren Kopf! Gute Handschuhe und eine Mütze, die auch die Ohren bedeckt sind Pflicht. Die Handschuhe müssen wir wohl während des Pilotierens ausziehen. Es sei denn, man hat eine so liebe Mutter wie ich, die einem tolle Daumenwärmer strickt! Dann packen wir uns noch eine Thermoskanne mit heißem Tee und ein wenig Essen ein, damit wir uns auch auf dem Flugfeld etwas warmes einflößen können. Denn Essen und Trinken hält Leib uns Seele zusammen, und das ganz besonders, wenn es friert und schneit.

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Die guten alten Daumenwärmer meiner Mutter halten die Daumen auch im Winter schön warm.


Darauf müsst ihr bei euren Modellen achten
Nun aber zu unseren Flugmaschinen, unseren Lieblingen! Ei, die Kälte tut nicht nur uns weh, sondern auch den RC-Modellen. Alles was aus Kunststoff ist wird sehr schnell spröde und bricht ganz leicht. So müssen wir also redlich vorsichtig sein, wenn wir unsere gewohnten Kapriolen drehen. Was im Sommer noch munter ging, kann im Winter bei Kunststoffteilen zu Bersten führen. Gerade die schönen Schaumstoffmodelle, die zum Beispiel eine Flächensteckung aus Kunststoff haben, müssen hier gut kontrolliert werden. Aber auch die  Ruderanlenkungen, Scharniere und Ruderhörner sind bei niedrigen Temperaturen sehr unelastisch. Hier gibt es auch keine Abhilfe, leider. Nur unsere Vorsicht bewahrt uns vor dem Defekt!


Verbrennermotoren und Kälte
Wenn wir mit Verbrennungsmotoren fliegen, so haben manche der Motoren ihre lieben Probleme, überhaupt zum Leben – also – zum Laufen – erweckt zu werden, wenn das Thermometer Werte um die 0°C anzeigt. Was können wir dagegen tun? Wer mit dem Auto zum Flugfeld fährt, der hat es gut. Der kann nämlich zum Beispiel den Rumpf mit dem Motor vor dem Startversuch im Auto auf “normale” Temperatur bringen. Dann geschwind aus dem Auto heraus und den Motor angeworfen! Ich dagegen, der mit dem Mofa und Anhänger heraus fährt, kann mir da nicht helfen. Der erste Start ist halt mühsam. Doch danach stülpe ich – direkt nach der Landung – flugs eine alte Mütze und einen alten Schal um den Motor. Der hält ihn dann solange auf gemäßigten Temperaturen, bis der nächste Start ansteht.

Doch auch wenn der Motor bei Eisesskälte gut anspringt, so dürfen wir ihn nicht sofort auf Höchstdrehzahl hoch jagen. Denn das führt nur zu erhöhtem Verschleiß, weil die Metallteile noch nicht recht zusammen arbeiten. Vielmehr lassen wir den Motor im erhöhten Leerlauf ein oder zwei Minuten laufen, bis er seine gewohnte Betriebstemperatur erreicht hat. Dieses Aufwärmen braucht halt bei niedrigen Temperaturen etwas länger als im Sommer.


Besonders bei Akkus können durch Kälte Schaden nehmen
Ganz arg wird es aber leider bei unseren ach so modernen LiPo-Akkus. Im Sommer sind das rechte Teufelskerle, aber wenn´s friert kleinen Mimosen. Warum? Nun, liebe Freunde, bei Temperaturen unter 10°C wächst deren Innenwiderstand an. Dadurch können sie den Strom nicht mehr liefern, den unsere Antriebe benötigen. Schlimmer noch, wenn man ihnen diesen hohen Strom abverlangt, dann nehmen sie dauerhaften Schaden! Was können wir dagegen tun? Zum einen kann man schlicht einen deutlich größeren Akku einbauen. haben wir zum Beispiel einen 2200mAh25C Akku drin und belasten ihn mit 25A, dann ist der Gute bei -5°C  überfordert. Ein 4000mAh25C Akku dagegen kann die 25A auch bei der Kälte gut abgeben.


Kleiner Tipp: Die gute alte Wollsocke
Nur leider geht das halt nicht immer, weil die Modell zu schwer werden, keinen Platz haben oder wir nicht das Geld um extra Winterakkus anzuschaffen. Dann bleibt nur, die Akku schön warm zu lagern und sie erst kurz vor Gebrauch ins Modell einzubauen. Der Autofahrer hat es wieder gut, ich dagegen ohne Auto, habe extra eine feine warme Tasche mit einem kleinen Taschenofen für meine Lipos. Zusätzlich stecke ich jeden Akku in eine alte Wollsocke. So haben es meine Akkus im Winter auf der Flugwiese schön warm. Kurz vor dem Flug kommen sie ins Modell, das klappt ganz famos. Aber Obacht bei Segelflugzeugen! Wenn ich zum Beispiel letzten Winter mit meiner ASW15 unterwegs war (Gott hab´sie selig. “Danke” Rüdiger für den Schlepp mit deinem Motorrad…) dann kühlten die Akkus im Fluge wieder aus. Denn nach einem kurzen Motorlauf folgt bei diesen Modell ein langer Segelflug, der genügt, um den Akku wieder frieren zu lassen.


Das gleiche gilt für Sender
Und ganz besondere Vorsicht müssen wir walten lassen bei unseren Sendern. Denn immer mehr Sender haben auch LiPo-Akkus verbaut, für die das gleiche gilt wie für unsere Flugakkus. Doch zum Glück sind die Ströme im Sender nicht gar so hoch, daher genügt ein Blick auf die Spannungsanzeige am Sender, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten. Im Klaren müssen wir uns nur darüber sein, dass die Betriebszeit geringer sein wird als im Sommer. Ganz so wie bei unseren Handys, die auch im Winter schneller leer sind.


Welche Modelle darf man im Winter fliegen?
Und welche Modelle können wir im Winter fliegen? Nun, meine Freunde, alle! Segler sowieso und Wasserflugzeuge wie meine „Seabee“ ganz besonders. Die sind schließlich für das Wasser gedacht und Schnee ist nur gefrorenes Wasser. Bei Motormaschinen mit Rädern müssen wir Obacht gebem ob die Räder sich nicht im Schnee vergraben. Doch im Zweifel können wir ja entweder ein Stück Weg bzw. Piste vom Schnee befreien oder aber unsere Flugmaschine per Handstart in die Lüfte befördern, gell? Die Landung wird dann schon gut gehen, denn der Schnee ist wohlig weich und verzeiht manch böse Erdberührung, wie ihr auch auf meinem Video sehen könnt.

Nach dem Fliegen im Schnee sollte man seine Modelle immer gut abtrocknen und Wasserrückstände und Schneereste gut entfernen

Nach dem Fliegen im Schnee sollte man seine Modelle immer gut abtrocknen und Wasserrückstände und Schneereste gut entfernen

Und nach dem hoffentlich tollen Flugerlebnis im Schnee müssen wir daheim in der Werkstatt peinlichst genau unsere Flugzeuge wieder trockenlegen. Denn der Schnee dringt wirklich in alle Ritzen und Spalten ein, wo er dann nichts besseres zu tun hat, als zu schmelze. Und das Schmelzwasser kann uns die ganze Elektronik und unser ganzes Modell (besonders diejenige, die aus Holz gebaut sind) zerstören. Also hört bitte auf mich und trocknet die Maschinen so schnell wie es geht daheim gut ab. Und erst danach geht ihr selbst in die Wanne und nehmt ein heißes Bad!

Dann friert bitte nicht gar soviel und habt viel Spaß im Winter!

Euer Klaus

2 Kommentare zu “Kälte und Modellflug”

  1. am 9. Dezember 2012 um 14:49 1.Sammy schrieb …

    Danke für den Tipp. Viel Spaß beim Winterflug :)

  2. am 31. Dezember 2012 um 17:51 2.Sahra Straubing schrieb …

    Was bringen dir die daumenwärmer ?!
    das ist total sinnlos, du musst bei normalen handschuen die Daumen bisschen abschneiden

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