So hart es auch klingen mag: die Abstürze gehören zum Modellflug dazu, ja mehr noch, sie sind gleichsam das Salz in der Suppe. Und wenn der Ärger und der Schmerz um den Verlust erst einmal vorüber sind, dann kann man auch darüber schmunzeln. Und immer dran denken: dem Himmel sei Dank, dass wir nicht drin gesessen haben im Absturzflugzeug!

Mein schlimmster Absturz ist schon etwas länger her, hat außer dem Totalschaden am Modell kaum Kollateralschäden verursacht und ist nur deshalb so schlimm, weil er in Zeitlupe ablief und so entsetzlich lange dauerte.


Ich wollte Großmodellluft schnuppern

Anfang der 1990er Jahre baute ich mir einen “Big Lift” von Multiplex, um auch Großmodellluft zu schnuppern. Für heutige Verhältnisse war er gar nicht so groß, aber damals ein wahrer Riese mit seinen 2,225 Metern Spannweite und einem Webra Speed 91 (also einem 15ccm Glühzündermotor). Was hatte ich mir nicht redlich Mühe gegeben beim Bau und war stolz “wie Oskar”, zum ersten Male ein Großmodell zu haben.


Das Schicksal nahm seinen Lauf

Beim allerersten Flug dann, nach einem Bilderbuchstart und einem wunderbaren Steigflug, passierte es dann in etwa 200m Flughöhe. Eine Flächenstrebe löste sich und die rechte Tragflächenhälfte hatte plötzlich um die 20° V-Form. Was war passiert? Der “Big Lift” hatte teilbare Flügel, jede Hälfte wurde mit zwei Holzdübeln locker an den Rumpf gesteckt. Die Hälften wurden im Rumpf mit Gummis an den selbigen gezogen, aber für die eigentliche Stabilität und Festigkeit im Fluge sorgten Streben, die an Fläche und Rumpf verschraubt wurden. Nun ja, verschraubt werden sollten. Ich Dussel hatte in der Aufregung des Erstfluges vergessen die recht Flächenstrebe fest zu schrauben. So vibrierte sich die Schraube heraus und die Strebe löste sich vom Rumpf. Dadurch klappte der Flügel etwas nach oben und hing nur noch an den beiden Holzdübeln. Aber der „Big Lift“ konnte sich noch in der Luft halten, wenn auch sehr flügellahm!

Sofort stoppte ich den Motor und zog ganz sachte am Höhenruder, um den Vogel langsam zu machen und ihn vielleicht doch noch heil zu Boden zu bringen. Immerhin flog er ja noch, wenn auch etwas schief und mit dem rechten Flügel auf “halb acht”. Ganz, ganz vorsichtig, mit minimaler Geschwindigkeit konnte ich ihn tatsächlich halten. Die Sekunden dehnten sich zu Ewigkeiten, doch der “Big Lift” flog weiter. Immer weiter, und zwar immer weiter von mir weg. Er wurde kleiner und kleiner und flog auf das nahe liegende Dorf zu! Nein, das darf doch nicht wahr sein! Wenn er dort hinunter kommt, was wird er nur anrichten? Nachher kommt noch jemand zu Schaden nur durch meine Unachtsamkeit. Das muss um jeden Preis vermieden werden!

Also leitete ich ganz sacht und nur mit der Seitenrudertrimmung ein weite und sanfte Kurve ein. Doch das war dann aber schon zuviel an Belastung für das flügellahme Modellflugzeug: mit einem Knall löste sich der rechte Flügel plötzlich komplett vom Rumpf und trudelte dem Boden entgegen. Der Rumpf mit halber Fläche ging senkrecht nach unten und drehte sich dabei um seine eigene Achse.


Wumms…

Es dauerte noch eine halbe Ewigkeit bis er auf dem Erdboden aufschlug. So weit entfernt, dass das dumpfe “Wumms” des Aufpralls wegen der Schallgeschwindigkeit erst verzögert zu mir durchdrang. Ein furchtbares Bild: ich sehe den “Big Lift” einschlagen, sehe schon die Staubwolke, doch das alles in aller Stille. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiund… “Wumms”! Solange brauchte der Schall von der Absturzstelle zu meinen Ohren.


Meine Lehren aus diesem Erlebnis

Nun, der “Big Lift” war ein Totalschaden, ebenso der Webra Speed 91. Dem hat es die Kurbelwelle durchs Gehäuse geschoben. Selbst die Rudermaschinen und der Empfänger waren restlos zerkrümelt. Nur die rechte Fläche, die hat es überlebt. Ein gar teures Lehrgeld, das ich bezahlt habe. Denn aus Fehlern wird man klug: nie mehr übereilt und übermäßig aufgeregt starten! Immer erst in Gedanken die Checkliste durchgehen: sind alle Schrauben festgezogen? Sind alle Akkus geladen? Ist diese und jenes richtig? Die Checkliste ist von Modell zu Modell unterschiedlich, also prägt sie euch gut ein für eure Flugzeuge! Oder noch besser, druckt euch tatsächlich eine Checkliste auf Papier, wie die Großen es auch haben, und geht diese Liste vor JEDEM Start durch!

Ein Kommentar zu “Mein schlimmster Absturz”

  1. am 30. Oktober 2009 um 16:11 1.Bernd schrieb …

    Hallo,

    meine Herren, was für ein grausames Erlebnis! Aber schön geschildert :-) An den Big Lift kann ich mich auch aus meiner Jugend erinnern. Der Huckepack-Schlepp mit dem Segler obendrauf war immer spannend. Die Chancen standen fifty-fifty, tolle Zeiten, heute geht ja immer alles glatt. OK, fast immer :-)

    Ich glaube ich habe irgendwo noch einen Super-8 Film von einem Huckepack-Schlepp, irgendwann frühe 80er Jahre. Mann, ist das lange her… Wenn du Interesse hast, dann kann ich mal suchen…

    Erzähl doch mehr von anno dunnemal!

    VG

    Bernd

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