Ein Mischer für ein RC-Modell dient dazu, verschiedene Steuerfunktionen miteinander zu verquicken, sie zu überlagern und halt zu mischen. Lasst mich das bitte an einigen Beispielen erläutern, dann denke ich wird der Sinn deutlicher.


Mischer bei einem Delta oder einem Nurflügel

Ein Delta (ein Modell, das nur aus einem dreiecksförmigen Flügel besteht. Der griechische Buchstabe Deltas sieht aus wie ein Dreieck, daher der Name) oder ein Nurflügel (ein Flugzeug, das ohne Leitwerk auskommt und somit zur Steuerung nur Klappen am Flügel besitzt) haben in der Regel nur zwei Ruderklappen: je Flügelhälfte eine. Die müssen bei der Steuerfunktion „Höhenruder“ beide gleichsinnig nach oben bzw. unten ausschlagen, bei der Steuerfunktion Querruder aber gegensinnig: das eine Ruder nach oben, das andere nach unten. Ja, wie macht man denn das, wenn an jeder Ruderklappe ein Servo sitzt?

Früher, ja früher, da hat man das mechanisch gelöst. Das ist aber heute nicht mehr zeitgemäß, das hat zu viel Spiel und ist oft mechanisch instabil. Heute stellen unsere Sender dafür so genannte „Mischer“ parat: Im Sender „mische“ ich also Quer- und Höhenruder so zusammen, dass sie wie oben beschrieben funktionieren. Für diesen Anwendungsfall stellen heutige Sender fertige Mischer zur Verfügung, die dann „Deltamix“ oder „Flaperon“ (Kunstwort, von „Flap“ = englsich für „Klappe“ und Aileron = englisch für „Querruder“) oder sonst wie genannt werden.


Mischer bei einem Wölbklappensegler

Stellt euch vor ihr habt einen ganz feinen Hochleistungssegler, der außer den Querrudern noch Wölbklappen am Flügel besitzt, also einen so genannten 4-Klappenflügel hat. Nun habt ihr die Querruder und die Wölbklappen so angeschlossen, als wüssten sie gar nichts voneinander: die Querruder arbeiten nur als Querruder, die Wölbklappen rein als Wölbklappen. So fliegt der Segler schon ganz ordentlich, aber ihr wollt ab und zu etwas „rumbolzen“ und dazu ist die Wirkung der Querruder zu bescheiden, die Rollen kommen zu langsam. Oder ihr wollt auch noch das letzte bisschen Thermik nutzen und auch die Querruder ganz sacht nach unten fahren und ebenfalls als Wölbklappen nutzen. Oder der Segler gleitet dermaßen gut, dass ihr Probleme bei der Landung habt, weil ihr über das Ziel hinausschießt. Eine Bremse tut Not, doch wie? Luft hat keine Balken. Für alle die Problemchen gibt es Mischer!

Ihr könnt im Sender z.B. einstellen, dass für den Kunstflug die Wölbklappen als Querruder mitgenommen werden und das per Schalter ein- und ausstellen. Das erhöht die Wendigkeit ungemein. Umgekehrt – auch per Schalter zu- und abschaltbar – kann man dem Sender beibringen, die Querruder auch leicht als Wölbklappen mit abzusenken oder anzuheben. Dadurch wird der Flügel aerodynamisch besser.

Oder aber ihr nutzt die so genannte „Butterfly“ oder „Krähenstellung“ zur Landung: die Wölbklappen fahren ganz nach unten aus, die Querruder dagegen ganz nach oben. Da macht den aerodynamisch Flügel so schlecht, dass es ungemein bremst. Der Segler wird langsamer und kann von uns punktgenau gelandet werden.

Auch dafür gibt es in den Sendern fertige Programme und Mischer, die wir nicht erst programmieren müssen. Das haben die Ingenieure schon für uns erledigt. Manche Sender unterstützen mit ihren Programmen sogar Flügel mit bis zu acht Servos –im Flügel! Das können zum Beispiel Segler sein, die je Flügelhälfte eine Störklappe, ein Querruder und zwei Wölbklappen haben (oder zwei Querruder und eine Wölbklappe, je nachdem wie man es betrachtet). Das sind aber wirklich schon Segelflugzeuge für echte Experten.


Mischer für verschiedene Trimmzustände

Leider fliegen nicht alle RC-Flugmodelle so gerade und glatt geradeaus wie im Videospiel – oder vielmehr Gott seid dank tun sie es nicht, weil sonst wäre es ja langweilig! Aber allzu krumm und schief mögen wir es dann aber doch nicht. Mit „krumm und schief“ meine ich solch ärgerliche Verhaltensmuster wie ein beherztes „Auf-die-Nase-Gehen“ beim Setzen der Landeklappen oder um beim oben genannten Segler zu bleiben, ein ungebührliches Aufbäumen, wenn die „Butterfly“-Bremse gezogen wird. Dieses Aufbäumen kann sogar soweit gehen, dass das Modell zu langsam wird und abschmiert, allerhöchste Vorsicht ist also geboten!

Eine ganz andere Kategorie der Ungezogenheit sind Koppelungen beim Kunstflug. Hier wünscht man sich, dass das Modell wirklich und immer nur genau das tut, was wir ihm gerade per Sender befehlen: beim Seitenruder nur um die Hochachse drehen, bei Querruder um die Längsachse und so fort. Das machen aber nicht alle so ordentlich und bescheiden, sondern diese Modelle entwickeln ein Eigenleben. Bei Seitenrudereinsatz fliegen tauchen sie leicht nach unten weg, im Messerflug (hier stehen die Flügel senkrecht und der Rumpf liefert den Auftrieb, eine Kunstflugfigur, die schwierig zu fliegen ist) weichen sie auf Tiefe aus und drehen weg, beim Gasgeben steigen sie über Gebühr, die Liste nimmt kein Ende.

Was können wir dagegen tun? Nun, wenn wir gut sind, richtig gut, dann steuern wir all diese Ungebührlichkeiten aus. Wir reagieren schneller als das Modell und keiner sieht die Mätzchen. Doch wenn wir das immer so perfekt könnten, ja, dann wären wir Weltmeister aller Klassen. Also nutzen wir doch besser die Mischmöglichkeiten, die uns unser Sender schenkt. Beim Setzen der „Butterfly-Bremse“ wird gleichzeitig etwas Tiefenruder automatisch mitgegeben, sodass eine leicht abwärts geneigte Flugbahn beibehalten wird. Fahren wir die Landeklappen aus, so steuert der Sender automatisch leicht Höhenruder dabei und unserer Kunstflugmaschine werden per Mischer Schienen in die Luft gelegt, auf der sie schnurstracks entlang fliegt. Geben wir Gas, wird ganz sacht etwas Tiefenruder beigemischt.

Eine weitere Anwendung sind die großen Modelle, bei denen eine Rudermaschine zum Beispiel für das Höhenruder nicht mehr genügt. Es müssen zwei oder noch mehr sein, um die Kräfte bändigen zu können. Hier werden die Rudermaschinen jeweils an einen eigenen Kanal angesteckt und der Sender sorgt mit einem Mischer dafür, dass beide Servos das Höhenruder steuern.

Für diese Zwecke stellen unsere Sender die „freien“ Mischer zur Verfügung. Hier können wir x-beliebig eine Funktion auf eine andere mischen.


Mischer beim Hubschrauber

Ei, beim Hubschrauber, da wird es ganz prekär. Ihr habt ja vielleicht schon gelesen, dass ein Hubschrauber zur Steuerung eine Taumelscheibe besitzt, die sich auf und ab bewegen soll und noch zusätzlich in alle Richtungen neigen muss. Ein typisches Beispiel für einen Mischer beim Hubschrauber ist die so genannte „120°-Anlenkung“. Hier ist die Taumelscheibe mit drei Servos angelenkt, die jeweils einen Winkel von 120° zwischen sich haben. Die Taumelscheibe ist also auf drei Anlenkungen gelagert. Bewegen sich alle Servos gleichsinnig, so hebt und senkt sich die Taumelscheibe. Bewegen sich die Servos in unterschiedliche Richtungen, dann neigt sich die Scheibe.

All das mischt unser Sender so fein zusammen, dass wir an den Knüppeln nur die Funktionen Roll, Nick oder Pitch geben. Die Servos laufen dann in der richtigen Richtung.

So schön sich das anhört, es bedeutet nicht, dass der Sender automatisch die richtigen Einstellungen für jedes Modell findet. Die müssen wir uns erfliegen und im Sender abspeichern, ganz ohne Fliegekünste geht’s dann doch nicht. Und aus der krummsten Obstkiste macht auch der teuerste Computersender kein Weltmeistermodell. Drum baut bitte von Anfang an saubere, gerade und ordentliche Modelle und verlasst euch nicht nur auf die Mischer!

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu schreiben.