RC Segelflugzeuge

Geschrieben von am 10. Januar 2009 | Abgelegt unter

RC Segelflugzeug mit Antriebsmotor

RC Segelflugzeuge haben keinen Motor, jedenfalls die meisten. Segelflugzeuge sind ungemein ökologisch und nutzen regenerierbare natürliche Energiequellen, um Höhe zu gewinnen und tunlichst lange zu fliegen. In Gebieten ohne Hügel bedeutet das, sie nutzen die Thermik, also aufsteigende warme Luftmassen. Jene entsteht, wenn sich manche Flächen stärker erwärmen, als ihre Umgebung. Dort über diesen Flächen erhitzt sich auch die umgebende Luft. Und warme Luft leichter ist als kalte, treibt diese warme Luft dann als Blase nach oben, gleich einem Heißluftballon ohne Hülle. Die Kunst und die Herausforderung und das Spannende am Segelfliegen ist es nun, diese Blasen zu finden und zu nutzen. Das ist nicht ganz einfach, weil sie nicht zu sehen sind. Man kann nur an Indizien erkennen, wo eventuell gerade so etwas sich ablöst.


Federleichte Segelflugzeuge, Nachbauten und Hochleistungssegelflugzeuge

Auch bei den RC Segelflugzeugen ist die Spanne des Machbaren wieder sehr groß. Die wahren Königinnen der RC Segelflugzeuge sind die Nachbauten der manntragenden Hochleistungssegelflugzeuge. Wir bezeichnen diese eleganten Flugzeuge als “Super-Orchideen”. Lange und schlanke Flügel sorgen für atemberaubende Leistungen, mit der Hilfe von Klappen am Flügel (“Wölbklappen”) kann der Pilot die aerodynamische Güte des Flügels den Gegebenheiten anpassen. Einmal langsam und eng im Aufwind kreisend und im nächsten Augenblick mit schier unglaublicher Geschwindigkeit über das Himmelszelt fegend. Mehr als 15 oder 20kg Gewicht, bis hin zu 6 oder noch mehr Metern Spannweite, das ist heute alles möglich.


“Side Arm Launching” oder “Diskuswurfstart”

Ganz anders die federleichten RC Segelflugzeug, die aus der Hand geschleudert werden: SAL wird diese Art genannt, “Side Arm Launching” oder “Diskuswurfstart”. Die wiegen nur um die 200 bis 300 Gramm, sind aber aerodynamisch bis ins letzte ausgetüftelt. Der Pilot fasst diese Sportgeräte an der Flügelspitze (am “Randbogen”), dreht sich ein-, zweimal schnell um sich selbst – ganz wie ein Diskuswerfer – und schleudert dann das RC Segelflugzeug hoch. Dabei erreicht er Höhen, die gerne einmal 60 Meter oder mehr zählen, was oft genug ausreichend ist, um Aufwinde zu erwischen.

Zwischen diesen Orchideen und den SAL´s tummelt sich die Mehrzahl der RC Segelflugzeuge: 2 – 3 Meter Spannweite, mit oder ohne Antrieb, um die erforderliche Ausgangshöhe zu erreichen. Gerade die RC Segelflugzeuge, die mit einem Elektromotor ausgestattet sind, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Das sind dann aber nicht zwangsläufig gemütliche oder langweilige Gesellen, die nur ruhig vor sich hin gleiten. Nein, es gibt auch die so genannten “Hotliner”. Die steigen elektrisch angetrieben senkrecht mit mehr als 30 Metern pro Sekunde und sind pfeilschnell: 250 km/h im Sturzflug sind da gar nichts! Diese schnellen Geschosse sind aber nicht für den Anfänger geeignet!


“F3J” und “F3B§ – die Wettbewerbsklasse

Ganz anders aber die RC Segelflugzeuge, die den Beinamen “F3J” tragen. “F3J” ist eine Wettbewerbsklasse, bei der es vereinfacht gesagt um zwei Aufgaben geht: möglichst lange Fliegen und möglichst zielgenau Landen. Im Wettkampf werden diese RC Segelflugzeuge per Hochstart auf Höhe gebracht, im Hobbyeinsatz dagegen meist mit einem Elektromotor in der Schnauze gestartet. Da sind wahre Allroundtalente. Die können ganz prima in der Thermik kreisen, sind nicht gar so anspruchsvoll zu fliegen und können auch mal recht schnell geflogen werden, wenn uns der Hafer sticht.

So ähnlich sind die RC Segelflugzeuge der Klasse “F3B”. Bei diesen Wettbewerben werde drei in sich widersprüchliche Ziele verfolgt: Möglichst lange Fliegen, möglichst weit Fliegen und möglichst schnell Fliegen. Und das alles mit einem Modell. Diese Ziele sind eigentlich mit einem RC Segelflugzeug nicht gleichzeitig zu erreichen. Dadurch sind aber die Modelle dieser Wettkampfklasse ganz toll für uns Hobbypiloten geeignet, weil sie einfach alles recht ordentlich können!


Hangwinde nutzen

In hügeligem Gelände oder gar im Gebirge nutzen die Segelflugmodelle zusätzlich den Hangaufwind. Weht der Wind einen Abhang hoch, dann genügt die aufwärts gerichtete Komponente oft aus, um das Modell oben zu halten. Hier beim “Hangfliegen” wird der Hangaufwind auch gerne genutzt, um etwas Überhöhung zur Startstelle zu gewinnen, um dann ins Tal zu fliegen und Thermik zu suchen. Denn wenn ich z.B. auf der Spitze eines 250m hohen Hügels stehe und dort starte, noch 100 Meter Höhe am Hang gewinne, dann habe ich über dem Tal 350m Höhe. Und je höher mein Modell fliegt, umso größer die Aussicht Thermik zu finden.


Gleitwinkel

Das klingt langweilig? Ist es aber nicht! Gerade das Spiel mit und manchmal auch gegen die Natur, mit den Gewalten, hat seinen ureigenen Reiz, den auch und besonders alte Hasen und Experten sehr schätzen. Tatsächlich ist es so, dass selbst echte Jetpiloten gerne in ihrer Freizeit in ein Segelflugzeug steigen. Übrigens: Jedes Flugzeug segelt. Das eine besser, das andere schlechter. Aber auch eine A380 fällt nicht wie ein Stein vom Himmel, wenn alle Triebwerke ausfallen. Sie gleitet ca. 18km weit, wenn sie einen km Flughöhe hat! Das nennt man dann  „Gleitwinkel“, wie weit gleitet ein Flugzeug aus 1m Höhe? 18m weit bedeutet, es hat einen Gleitwinkel von 1:18.


Startmethoden: Hochstart, Huckepack oder F-Schlepp.

Auf die benötigte Anfangshöhe muss man in der Ebene irgendwie bekommen, am Hang hat man es einfacher. Dazu gibt es verschiedene Methoden: Hochstart, Huckepack oder F-Schlepp.
rc-segelflugzeug-schleppkupplungBeim Hochstart wird das Segelflugzeug mit einem Seil beschleunigt, so dass es steigt. Ähnlich zum Drachensteigen. Nur etwas anders. Der Seilzug kann durch eine Winde erzeugt werden, durch einen in Länge und Zugstärke abgestimmten Gummi, oder man lässt seinen redlichen Freund das Seil ziehen. Dazu sind Freunde ja schließlich da! Gewichtsmäßig gibt es hier kaum Einschränkungen, es ist alles nur eine Frage der Stärke. Die Stärke der Winde (manntragende Segelflugzeuge werden auch mit Winden gestartet. Die haben dann mehr als 200 oder 300 PS!), die Stärke des Gummis (auch manntragende Segler wurde dazumal tatsächlich so am Hang gestartet) oder die Stärke des Freundes. Wenn dessen Kräfte zu bescheiden sind, dann bemüht man mehrere Freunde um Hilfe, die dann zusammen am gleichen Strang ziehen, oder ein Umlenkrolle. Das ist eine Art Flaschenzug, die die Kraft, aber auch den benötigten Weg verdoppelt. Dann braucht man einen eher schnellen denn kräftigen Freund.

Mit Hilfe einer Motormaschine können Segelflugzeuge auf mehrere Arten in die hohen Luftschichten befördert werden. Selten sieht man den Huckepackschlepp, bei dem der Segler auf die Motormaschine geschnallt wird. Beide starten dann eben huckepack. Oben wird der Segler per Fernsteuerung abgeworfen bzw. ausgeklinkt. Das ist mal etwas, was es bei den Großen nicht gibt! Weit verbreitet ist heute aber der Flugzeug-Schlepp, kurz F-Schlepp. Motor- und Segelflugzeug werden mit einem Seil verbunden, wobei dieses Seil mindestens am Segler per Fernsteuerung ausgeklinkt werden können muss. Aus Gründen der Sicherheit besser auch an der Motormaschine. Der Motorpilot gibt Gas und “zerrt” den Segler hinauf. Je nach Motorisierung geht das mehr oder weniger rasant und spektakulär. Eine wahre Freude ist hierbei die Zusammenarbeit. Man fliegt nicht alleine vor sich hin, sondern kommt nur gemeinsam durch redliche Arbeit ans Ziel.


Der Trend geht in Richtung Elektroantrieb bei Motorseglern

Weit verbreitet ist der so genannte Motorsegler. Der wird mit einem Hilfsmotor auf Höhe gebracht und segelt nach dem Abstellen des Antriebs weiter. Früher waren es kleine Verbrennungsmotoren, die schlicht ihren Dienst quittierten wenn der Tankinhalt zuneige ging. Heute sind es aber zumeist Elektromotoren, die den Vorteil haben, beliebig oft wieder gestartet werden zu können, jedenfalls so lange bis der Akku leer ist. Somit geht der Trend ganz klar in Richtung E-Antrieb bei Motorseglern.

Recht neu und sehr interessant sind die Klapptriebwerke. Jene klappen aus dem Rumpf heraus, verrichten eifrig ihre Arbeit und verschwinden (klappen) danach bescheiden wieder im Rumpf, um den Widerstand des Flugzeug nicht zu erhöhen. Denn je mehr Widerstand, desto weniger Flugzeit. Und – kaum zu glauben – einige Leute bauen Jet-Triebwerke auf ihre Segler!


Werkstoffe für RC Segelflugzeuge

Früher wurden RC Segelflugzeuge nur aus Holz gebaut, heute gibt es immer mehr RC Segelflugzeuge aus GFK oder CFK, also aus Glasfaserverstärktem Kunststoff bzw. Karbonfaserverstärktem Kunststoff. Das sind die Hightech-Werkstoffe schlechthin, wir sagen dazu “Voll-GFK”. Damit lassen sich Oberflächengüten und Festigkeiten bei minimalstem Gewicht verwirklichen, die mit der guten alten Holzbauweise nicht zu erreichen sind. Gerade eine exakte und spiegelglatte Flügeloberfläche ist bei RC Segelflugzeugen sehr wichtig (bis auf die ganz kleinen), um sehr gute Flugleistungen zu erzielen.

Ein Trend der letzten Jahre sind RC Segelflugzeuge aus EPP, Elapor oder Arcel. Jeder Hersteller hat da seinen eigenen Markennamen für im Grunde genommen das gleiche: Schaumstoff. Diese RC Segelflugzeuge kommen meist fast fertig (“ARF”) einher und brauchen nur wenig Zeit bis sie flugfertig sind. Sie sind zwar häufig etwas schwerer und weniger aerodynamisch als ihre Kollegen aus Holz oder GFK, dafür aber sehr viel robuster. Sie nehmen einen Knuff bei einer missglückten Landungen nicht so bierernst und gehen nicht so schnell entzwei. Das wiegt die schlechtere Aerodynamik mehr als auf. Besonders für den Einsteiger in dieses schöne Hobby ist so etwas das ideale RC Segelflugzeug für den Anfang.

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