RC U-Boote

Geschrieben von am 4. März 2010 | Abgelegt unter

RC U-BootZu diesem Thema fällt mir spontan ganz, ganz frei nach Friedrich Schillers Gedicht “Der Taucher” der Satz “Blubb, blubb, weg war er” ein. Aber Scherz beiseite, in der Tat gibt es funktionsfähige RC U-Boote! Die arbeiten entweder ganz so wie die großen Vorbilder, indem sie Wasserballast aufnehmen und so absinken (statisches Tauchen), oder aber sie nutzen den dynamischen Abtrieb. Der entsteht, wenn das gut ausgetrimmte RC U-Boot Fahrt aufnimmt und ähnlich einem Flugzeug mit den Tiefenrudern quasi unter die Wasseroberfläche gedrückt wird (dynamisches Tauchen).

Beim statischen Tauchen muss unbedingt und  immer die Pumpe funktionieren, die das Wasser wieder aus den Tanks herausbefördert. Sonst bleibt es beim Abtauchen, was ohne späteres Wiederauftauchen nur der halbe Spaß wäre. Wenn bei einem dynamisch tauchenden RC U-Boot der Antrieb stehen bleibt, dann taucht es langsam aber sicher wieder auf. Oder sollte auftauchen, wenn es denn wasserdicht ist!


Tauchtiefe

Beide Arten des Tauchens funktionieren, aber grundsätzlich können RC U-Boote nicht sehr tief abtauchen, weil das Wasser die Funkverbindung stark beeinträchtigt. Nach einigen wenigen Metern ist Schluss, ganz schnell ist die Funkverbindung zu unserem RC U-Boot unterbrochen. Dem muss der Modellbauer Sorge tragen, indem zum Beispiel in einem solchen Fall das RC U-Boot von selbst den Auftauchvorgang einleitet.


Ausgefeilte Technik beim RC U-Boot

Hinzu kommt noch, dass ja der Kapitän des RC U-Bootes an Land stehen bleibt und das RC U-Boot schnell aus den Augen verliert, was ganz fix passieren kann, wenn das Wasser trüb ist. Manche U-Boote führen gar eine Art Boje mit sich, die mit einem entsprechend langen Seil mit dem RC U-Boot verbunden ist und dem Skipper immer zeigt, wo sich das Boot gerade befindet. Insofern ist die geringe mögliche Tauchtiefe gar nicht schlimm. Es genügt uns ja, wenn wir ein wenig unter der Oberfläche bleiben, schließlich möchten wir ja auch optisch noch etwas von unserem RC U-Boot haben! Fährt man dagegen in einem Schwimmbad, dann hat man diese Sorgen nicht. Aber wer hat denn schon Zugriff auf ein Schwimmbad?

Grundsätzlich ist die Technik der RC U-Boote schon sehr ausgefeilt und zuverlässig. Sie muss es auch sein, weil ansonsten ein Verlust zu beklagen wäre. Das besondere an der Technik ist die unbedingte Wasserdichtigkeit. Das ist nicht ganz ohne, weil der Druck schon in geringen Tauchtiefen unserem RC U-Boot gehörig zu schaffen macht und das Wasser überall hin eindringen möchte. Taucht doch einmal nur zwei oder drei Meter tief, dann spürt ihr den Wasserdruck ganz gewaltig auf den Ohren. Und diesem Druck soll und muss unser U-Boot minutenlang ohne Murren standhalten. Dafür muss der Modellbauer schon gehörig Hirnschmalz in die Konstruktion stecken und redlich genau beim Bau des RC U-Bootes arbeiten. Es ist schon ein Unterschied, ob ein Schiffsdeck gegen Wellengang abgedichtet werden soll oder gegen Wasser, das mit mehreren bar gegen den U-Bootkörper drückt!


Es muss nicht immer ein Kriegsschiff sein

Die allermeisten RC U-Boote sind – leider für mein Dafürhalten – Nachbauten von Kriegsschiffen, also von militärischen U-Booten. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass diese RC U-Boote eine gewisse Eleganz haben und auch historisch ganz sicher von Bedeutung sind. Aber warum bauen wir denn nicht ein U-Boot, dem zum Beispiel ein Forschungsboot Pate steht? Da gibt es doch auch die tollsten Konstruktionen. Wie wäre es denn mit dem Nachbau der “Trieste” von Auguste Piccard? Dieser Mensch tauchte mit seinem Boot immerhin fast 11km tief! Das wäre doch ein tolles Projekt für ein RC U-Boot! Und wenn wir dann noch eine Kamera in unser Boot installieren, dann werden wir noch zum Naturforscher und beobachten die Lebewesen in der unendlichen Tiefe des Baggersees!

Meine Meinung zu RC U-Booten ist: faszinierend, wie die Technik funktioniert und mit wie viel Herzblut die Kollegen diese Modelle bauen. Aber mein Ding ist es nicht. Es sei denn, die Funkverbindung würde so gut arbeiten, dass ich im Baggersee auf Expeditionen wie seinerzeit Auguste Piccard oder Jacques-Yves Cousteau gehen könnte! Das wäre wahrlich schön, die friedlichen Fische in ihrer eigenen Welt zu beobachten.



6 Kommentare zu “RC U-Boote”

  1. am 20. Oktober 2010 um 19:54 1.Carsten schrieb …

    Ich sehe es ähnlich wie Du. Allerdings juckte es mich auch schon seit sicher 30 Jahren in den Fingern. Was haben wir nicht alles im Pool eines Kumpels gebaut, Gläser, Rohre, Flaschen mit Motoren und Flossen, abgedichtet mit Teer etc. Alles abgesoffen.

    Aber jetzt habe ich das ideale Boot für den U-Boot-Hunger zwischendurch gefunden: Das U-16 von Graupner, leider nur noch als Restposten für ca. 30Eur. Aber das ding sieht gut aus, ist klein genug für den Gartenteich, taucht statisch (Tauchtank) und mach sauspaß! Die Fische schwimmen dem Ding neugierig hinterher, eine Tauchfahrt unter den Seerosen ist spannend wie die Nautilus unterm Nordpolareis, Wasserpest lauert überall auf unerfahrende Kapitäne, das Boot einfach mal in knischenden 0.9m Tiefe auf Grund setzen, warten bis das Segelboot des Sohnes vorbei kommt…

    Mit diesen 30 Eur ist meine Lust auf Boote total gestillt. Naja, das mit Kamera und Baggersee auf 30m hätte was aber….

  2. am 21. Oktober 2010 um 08:50 2.Klaus schrieb …

    Hallo Carsten,

    das erfreut mich sehr, dass du so einen Spass hast. Und das mit dem U-Boot fahren im Gartenteich hört sich abenteuerlich an. Und das Beste ist, das dort eigentlich nichts schief gehen kann.

    Sei gegrüßt und noch viel Spass und Freude

    Klaus

  3. am 17. Dezember 2010 um 09:11 3.Claus schrieb …

    Ich habe seit einiger Zeit das U-16 von Graupner und meine Pool hat 1,50m Tauchtiefe, weiß jemand ob man mit dem Ding die vollen 1,50 tauchen kann?
    mit Sorge Claus

  4. am 17. Dezember 2010 um 11:53 4.Klaus schrieb …

    Hallo lieber Claus,

    Das U-16 ist wirklich ein lustiges Gefährt! Wenn es auch schon etwas nach Spielzeug “riecht” so macht es sicherlich ganz viel Freude. Ich selbst habe zwar nicht das U-16, aber dafür habe ich für dich etwas nachgeforscht und mit Rüdiger gesprochen.

    Hier einmal kurz das Ergebnis meiner Recherche: die meisten Modellbau-Kollegen, die das U-Boot haben, sind schlichtweg begeistert. Sie fahren aber meist in kleinen “Gewässern”, wie Regentonnen, Badewannen oder Aquarien (was sagen wohl die Fische dazu?).

    Vom Druckkörper hält das U-Boot wohl Wassertiefen über einen Meter gut aus, das heißt, es wird nicht zerstört werden. Jedoch reißt die Funkverbindung bei ca. einem Meter Wassertiefe ab. Abhilfe schaffen hier funkelnagelneue Batterien im Sender (die erhöhen durch ihre gute Spannungslage die Sendeleistung) und etwas – wie es ein Kollege so schön schrieb: Antennenakrobatik. Also die Senderantenne so hin und her bewegen, dass eventuell noch etwas beim U-Boot ankommt.

    Wenn das aber nicht hilft und dir dein U-Boot abhanden kommt und in 1,50 Meter auf Grund liegt, dann hilft nur warten. Denn das U-Boot hat einen Sicherheitsmechanismus, ein Fail-Safe. Und der funktioniert so: wenn nach ungefähr einer Stunde die Akkus im U-Boot leer sind, dann greift die Elektronik rettend ein. Sie leert den Tauchtank mit dem letzten Rest an Akkuenergie und dann schießt das U-Boot nach oben wie ein Korken. Das geht aber natürlich nur dann, wenn sich das U-Boot nicht in Wasserpflanzen verfangen hat oder gar von einem Fisch gefressen wurde! Als nur Geduld, mein Freund!

    Und wenn du das U-Boot in einem Pool betreiben möchtest, dann musst du ja auch keine Sorgen wegen Pflanzen und Fischen haben, gell?

    Dann wünsche ich dir viel Freude mit dem kleinen Schmuckstück, erzähl mir doch bitte, wie es geklappt hat, ja?

    Übrigens, Rüdiger ist auch der Meinung, dass die Strecke, die der Funk überbrücken kann, die Grenzen der Tauchtiefe setzt, nicht die Stabilität der Hülle. Und der alte Schwerenöter Rüdiger hat gleich einen Narren an dem U-Boot gefressen, denn er hat wieder nur Unsinn im Kopf und denkt jetzt darüber nach, eine Kamera in das Boot einzubauen und es im Schwimmbad einzusetzen, um dort seinen voyeuristischen Neigungen nachzugehen und die Mädchen zu beobachten. Ist das nicht ein unredlicher Tunichtgut? Wie ich ihn kenne, macht er das auch noch!

    Viele Grüße sendet dir dein Fast-Namensvetter,

    Klaus

  5. am 20. Oktober 2011 um 08:46 5.Robert schrieb …

    Hallo Klaus,
    Dein Eintrag war ganz interessant zu lesen.ich hab mir auch vorgenommen, meine Bastelprojekte unter Wasser zu bringen, aber ich komme eher aus dem Bereich der Elektronik und mein Projekt wird mehr ein Tauchroboter als U-Boot. Dazu hab ich mir zwei Überlegungen angestellt:
    1. Wenn die Funkstrecke der einschränkende Faktor ist, kann ich ja ohne Bedenken den Empfänger in eine Schwimmboje setzen und dem Boot 30m Kabel über eine Winde geben 😉
    2. Den druck auf das innere müsste man doch mit einer anderen Flüssigkeit ausgleichen können? Die darf halt nicht leiten und sollte ähnlich dicht sein. Wäre vollentsalztes Wasser nicht genau richtig?

    LG Robert

  6. am 21. Oktober 2011 um 11:40 6.Klaus schrieb …

    Lieber Robert,

    das freut mich aber, dass dir meine Worte gefallen. Nun bin ich nicht sehr beschlagen, was Tauchboote angeht, ich wollte halt das Spektrum des Möglichen aufzeigen, um neue Freunde für unser Hobby zu gewinnen.

    Trotzdem finde ich deine Idee sehr spannend! Und ich möchte dir auch gerne meine unmaßgebliche Meinung hierzu kundtun. Die Idee mit dem über Wasser schwimmenden Empfänger klingt zunächst ganz prima. Aber du solltest auch prüfen, ob der der Empfänger dann noch die Signale an die Servos weiter unten (30m schreibst du) weiterleiten kann. Vielleicht ist ja dafür das Futaba S-Bus-System sehr gut geeignet, weil hier alle Servos quasi über ein Kabel mit drei Leitung angeschlossen werden. Aber als Elektroniker kannst du dir da sicher helfen, gell?

    Auch mit dem Druckausgleich hast du Recht: wenn in deinem Gefährt eine Flüssigkeit vorhanden ist, die den gleichen Druck wie das umgebende Wasser hat, dann ist alles gut. Auf Anhieb fällt mir da eine Art Öl ein (WD40?). Aber bei einem Leck wäre das gar schlimm für das Gewässer! Destilliertes Wasser ginge auch. Ein Tipp von mir: zum Wasserfliegen sprühe ich die Servos mit “Wet Protect” (das Internet wird dir mehr darüber verraten) ein. Damit laufen die sogar eine zeitlang unter Wasser! Nur bei Reglern darf man das nicht nehmen, die müssen mit essigsäurefreiem Silikon vergossen werden.

    Halte mich doch bitte über dein Projekt auf dem Laufenden, es klingt sehr spannend!

    Viele Grüße

    Klaus

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