Thermikflug mit dem RC Segler

Wie erkennen wir eine frische Blase?

Nun wissen wir in etwas wie unsere Thermik entsteht. Doch leider können wir ja die Blasen nicht sehen. Aber es gibt Indizien, die wir nur erkennen und deuten müssen!

  • Greifvögel sind das beste Indiz, untrüglich zeigen uns kreisende Bussarde oder Milane die Thermik an. Heften wir uns einfach an ihre Fersen und fliegen mit ihnen gemeinsam. In der Regel sind die Vögel recht friedlich und wundern sich höchsten, wie dumm doch Kollege – unser Modellflugzeug – ist und wie schlecht er fliegen kann. Doch während der Brunft und Brutaufzucht habe ich schon Scheinangriffe auf meine Segler erlebt. Dann machen wir uns ganz fix von dannen!
  • In geringen Flughöhen, so in etwas bis 50 Meter über Grund, zeigen auch Schwalben prima an, wo denn eine Blase ist. Denn diese Kollegen fressen Insekten, die von der Thermik empor gehoben werden. Also fliegen wir mitten hinein in den Schwarm und steigen empor. Gerade diese Blasen, in denen die Schwalben fliegen, wabern noch eine Zeitlang am Boden herum bevor sie sich vom Boden ablösen und nach oben steigen. Hier sind recht kleine und wendige Modellflugzeuge gefragt!
  • Und wir sollten auch auf den Wind achten. Dreht der Wind ganz plötzlich und wird gar noch etwas kühler von einer Sekunde auf die andere, dann nichts wie mit dem Wind geflogen! Denn er zeigt uns an, dass sich gerade in Windrichtung eine Blase in den Himmel erhebt. Die aufsteigende Blase saugt gleichsam die Luft aus der Umgebung an, das ist dann der kühle Wind, den wir plötzlich spüren. Doch dieses Gefühl für Bodenthermik braucht schon ein gerüttelt Maß an Erfahrung. Überhaupt macht beim Thermikfliegen – wie so oft im Leben – die Übung den Meister.


Wie fliege ich die Thermik aus?
Jetzt habe ich die Thermik gefunden, wie fliege ich sie aus? Wir sehen ganz deutlich, wie unser Modell von Sekunde zu Sekunde Höhe gewinnt, ganz ohne Motor, ist das nicht toll? Oft ist es so, dass das Modell ganz plötzlich anfängt, sich zu schütten und zu wackeln. Das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir gerade durch einen Thermikschlauch fliegen. Dann gibt es nur eines zu tun: sofort sanfte Kreise fliegen! Denn wir wollen ja nicht durch den Schlauch hindurch fliegen, sondern  uns so lange als möglich in den aufsteigenden Luftmassen halten.

Nun ist es so, dass die Luft im Zentrum der Blase am stärksten steigt. Also wäre es ja am besten, so eng als möglich zu kreisen. Doch Halt! Denn je enger wir kreisen, um so stärker sinkt unser Modell gegenüber der Luft. Es gilt also den Kompromiss zu finden zwischen dem besten Steigen im Zentrum – doch starkem Sinken des Modells und nicht ganz so starkem Steigen zum Rande der Thermik hin – dafür aber nicht so starkem Eigensinken des Seglers. Auch sollten wir nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell fliegen. Jeder Segler hat die ideale Geschwindigkeit zum Thermikkreisen. An diese müssen wir uns herantasten. Je besser wir unser Modell kennen, umso besser werden wir mit ihm auch Thermik auskreisen können. Hier wieder zählt vor allem Übung, Übung, Übung,…


Links oder rechts herum?
Wie herum wir kreisen sollen? Links oder Rechts? Nun, jede Thermikblase steigt nicht nur schlicht und glatt nach oben, nein, sie ist oft stark verwirbelt und rotiert in sich. Wir sollten entgegen der Drehrichtung kreisen, also quasi gegen den Wind fliegen. Denn dann kommen wir näher in die Mitte der Blase mit ihrem besten Steigen. Wie herum die Thermik dreht, da gibt es tolle Theorien von wegen Coriolis-Kräfte , ähnlich dem Strudel in der Badewanne wenn wir das Wasser ablassen. Doch grau ist alle Theorie! Ich fliege immer erst einen Kreis linksherum, dann einen rechtsherum und entscheide dann wie es weitergeht. Und unsere Freunde, die Greifvögel zeigen es uns am besten an! Die Schwalben nicht so sehr, denn in den Höhen, in den diese munteren Gesellen unterwegs sind, hat sich die Thermik noch nicht dermaßen stabilisiert, dass sie rotieren täte, hier wabert noch alles durcheinander. Daher ist es auch egal ob wir dort in den bodennahen Blasen links oder rechts herum fliegen. Nur langsam und flach sollte es sein.


Gefahren beim Thermikfliegen
Obacht! Gefahren beim Thermikfliegen! So schön und naturverbunden und spannend das Thermikfliegen auch ist, es kann für uns Modellflieger blitzschnell doch gefährlich werden.

  • Sonnenschein im Gesicht sorgt schnell für gefährlichen Sonnenbrand! Wir schauen ja die ganze Zeit nach oben und oft in die Sonnen hinein. Reibt euch bitte mit guter Sonnencreme ein und tragt einen Hut oder eine Kappe, damit euch der Dez nicht verbrennt!
  • Schnell sind wir beim Thermikfliegen ein paar Stunden am Stück unterwegs. Macht das euer Empfängerakku mit? Und habt ihr den Sender auch gut geladen?
  • Die Flughöhe und die Entfernung zu unserem Standpunkt am Boden birgt ein gewisses Risiko, besonders wenn die Äuglein wie bei mir älter und schwächer werden. Ab ca. 300 Meter kann ich meinen Segler kaum mehr richtig erkennen und dann macht mir das nicht mehr gar soviel Freude. Und wenn wir mit der Thermik immer weiter von uns weg fliegen – denn die Blase zieht mit dem Wind mit! – dann müssen wir auch irgendwann an den Heimweg denken. Wenn die Großen einfach weiter fliegen, müssen wir ja auf unsere Wiese landen. Und dieses zurück fliegen kann manchmal arge Probleme machen, weil wir einmal gegen den Wind ankämpfen müssen und weil wir auch aus der Thermik heraus müssen. Und leider geht es neben der Thermik mindestens genauso nach unten wie in der Blase nach oben! Schon so manches Mal war ich froh, einen Elektromotor in der ASW15 zu haben, der mich nach Hause zog.
  • Oft wird die Thermik rabiat, ja gar zu rabiat für unsere kleinen Modelle. Vor und unter tiefen Gewitter- oder Regenwolken geht es oft mächtig nach oben, als ob die Hand Gottes sich unser Modell greifen wollte. Das kann mit 10 und mehr Metern pro Sekunde „ziehen“, so stark, dass auch Bremsklappen, Trudeln, oder – wenn das Modell es aushält – ein Sturzflug nicht mehr ausreichen, um nach unten zu gelange. Fort ist das Modell dann bald! Also Obacht: wenn wir merken, es geht zu sehr hoch, dann frühzeitig aus der Blase aussteigen, mag es noch so schön sein!

Ach herrje, wie viel habe ich denn da geschrieben? Ihr merkt, wenn mir etwas viel Freude bereitet, dann kann ich nicht mehr aufhören.

Nun dann, versucht euch an der Thermik! Ihr werdet sehen, etwas schöneres gibt es kaum im RC-Modellflug!
Wir treffen uns im nächsten Bart, gell?

3 Kommentare zu “Thermik-Kurs: Teil 2”

  1. am 18. Januar 2012 um 14:06 1.Michael Wilhelm schrieb …

    Finde ich nett, hier mal jemand aus dem Nähkästchen heraus zu hören. Das mit der Drehrichtung werde ich auch ausprobieren!
    Viele Grüße,
    Michael Wilhelm

  2. am 9. Juni 2012 um 16:21 2.Johannes schrieb …

    Danke Klaus,

    werde heute gleich einmal deine Tipp`s ausprobieren. :-)

  3. am 6. August 2012 um 10:30 3.Simon schrieb …

    Coole Seite! Habe Gestern den Junior S von Graupner erstanden. Mal sehn was man damit in der Thermik ausrichten kann :-)

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu schreiben.