Video: Schwerpunkt bestimmen beim RC Segelflugzeug
Geschrieben von Klaus am 10. Juni 2010 | Abgelegt unter Für Anfänger, Grundwissen, Videos
Hallo meine lieben Modellsportfreunde,
hier findet ihr ein weiteres Video von mir zum Thema Schwerpunkt bei einem RC Segelflugzeug. Ich hoffe meine kleine Erläuterung ist gerade für die Modellbau-Anfänger unter euch hilfreich.
Ergänzend zu meinem Video hier für euch noch ein paar Informationen.
Ein gar wichtiges Teil unserer RC-Flugmodelle ist wie gesagt der Schwerpunkt. Das ist ein Teil, das es zwar nicht zu kaufen gibt, ganz wie die Ausgleichsgewichte einer Wasserwaage, das aber an Ort und Stelle zu sein hat, damit unser gutes Stück auch fein fliegt!
Dieser Schwerpunkt muss nämlich immer vor einem anderen wichtigen Punkt, dem Neutralpunkt liegen. Am Schwerpunkt wirken alle Massekräfte, also das Gewicht des Flugzeuges, am Neutralpunkt alle aerodynamischen Kräfte, also Auftrieb, Widerstand und Momente. Nur wenn der Scherpunkt etwas vor dem Neutralpunkt liegt, dann fliegt ein Flugzeug stabil. Liegt der Schwerpunkt zu weit hinten, dann wird sich das Flugzeug immer aufbäumen und abkippen und nie geradeaus fliegen, es ist zum Absturz verurteilt. Das nennen wir Hecklastigkeit oder Schwanzlastigkeit. Liegt er jedoch zu weit vorne, dann geht es ungespitzt in den Erdboden. Dann sprechen wir von Kopflastigkeit. Wie immer im Leben gilt es also tunlichst, die goldene Mitte zu finden.
Es gibt niemals die eine perfekte Lage des Schwerpunktes, sondern vielmehr einen gewissen Bereich in dem er liegen darf. Wenn das nicht so wäre, dann dürfte ja die Stewardess nicht den Getränkewagen im Airbus verschieben und bei unseren Motormodellen dürfe der Tank nicht leer werden! Doch gibt es eine Lage, bei der die Leistung zum Beispiel eines Segelflugzeuges am besten ist oder die Kunstflugeigenschaften einer Motormaschine sehr neutral sind. Doch hier bewegen wir uns im Bereich von wenigen Millimetern und diese Feintrimmung braucht redlich Zeit und Erfahrung.
Der Neutralpunkt eines Flugzeuges ist übrigens nur abhängig von der Form des Flugzeuges, da können wir nichts ändern, wenn wir zum Beispiel ein ARF-Modell unser eigen nennen. Den Schwerpunkt dagegen, den können wir verschieben, indem wir etwa den schweren Flugakku etwas nach vorne oder hinten verschieben oder etwas Ballast wie Blei in der Nase oder am Heck des Modells anbringen. Noch immer liest man leider Erklärungen in der Modellfliegerwelt, dass der Neutralpunkt – und damit auch der Schwerpunkt – auch abhängig von anderen Größen, wie etwa dem Tragflächenprofil oder der Einstellwinkeldifferenz sei. Das ist für uns Modellflieger schlicht falsch!
Wenn wir wissen, wo der Schwerpunkt zu liegen hat, dann markieren wir diese Stelle am Flugmodell: dicht am Rumpf, direkt unter der Tragfläche. Die Markierung kann ein Strich mit einem Filzstift sein, ein kleines Stückchen Tesafilm oder ein Stecknadel, die gut zu ertasten ist. Bei manchen Modellen, speziell denen aus Schaum, sind dort auch schon Markierungen vorhanden. Genau an diesen Punkten halten wir nun unser Schätzchen mit spitzen Fingern hoch und lassen es um unsere Fingerspitzen pendeln.
Bleibt das Flugzeug auf unseren Fingerspitzen horizontal liegen oder pendelt ganz sanft nach vorne, dann ist alles richtig.

Fällt es aber mit dem Heck oder dem Bug sofort nach unten, dann passt der Schwerpunkt noch nicht. Also müssen wir ihn etwas verschieben. Wenn möglich mit dem Akku, den wir vor- oder zurückbewegen. Nur wenn das nicht reicht nehmen wir etwas Ballast dazu, denn Ballast ist schwer und unser Flugmodell sollte immer so leicht als irgend möglich bleiben!
Sackt der Bug also ab, dann schieben wir den Akku nach hinten, fällt das Heck nach unten, schieben wir ihn nach vorne. So lange, bis das Flugmodell fein gerade und horizontal auf unseren Fingerspitzen balanciert (wie im Video). Im Zweifel lieber etwas die Nase nach unten hängen lassen, also Kopflastigkeit einstellen. Dann fliegt das Modell vielleicht mit weniger Gleitleistung aber dafür stabiler! Hecklastigkeit dagegen kann zum Absturz führen!
Und wem das Balancieren auf den Fingerspitzen nicht zusagt, der kann sich ja auch im Zubehörhandel eine Schwerpuntkwaage kaufen. Das sind quasi Wippen, auf denen wir das Modell platzieren und es frei schwingen kann. Wie immer ihr es auch macht – mit den Fingern oder mit einer Waage – achtet immer darauf, dass der Schwerpunkt da ist wo er hingehört! Und das müssen wir auch machen, wenn wir nach einer harten Landung nochmals starten möchten, weil durch abrupte Stopps sich manchmal die Akkus verschieben können.
2 Kommentare »

am 7. September 2011 um 21:17 1.Mariusk schrieb …
hallo,
habe eine Frage , ich hab mir einen ASW15 Rc Segler geholt und beim ersten Flug ist mir das ding lach links in die Wiese gehauen … denke es lag am falschen Akku Standpunkt… hab ihn nämlich einfach nur hinein gelegt und bin drauf los geflogen…. könntest du mirn tipp geben wie ich das gescheit austarieren kann und sicher gehen kann dass das Fliegerchen gerade in die Luft geht? … lg
am 11. Oktober 2011 um 15:29 2.Klaus schrieb …
Hallo Marius,
ei, ich denke, das dir mit meinem Artikel über das Einfliegen
http://www.rc-modellbau.de/das-erste-mal-ist-gar-nicht-schwer-der-erstflug-und-das-richtige-einfliegen.html
vielleicht geholfen ist!
Und was tu nicht machen solltest, den “Akku einfach nur hineinlegen”. Wenn dein
Modell “nach links in die Wiese haut” kann das aber auch andere Gründe haben: schief gestartet? Ruder nicht neutral?
Geh doch bitte nochmals systematisch und sorgfältig an den zweiten Erstflug heran, dann wird das schon gut gehen!
Liebe Grüße
Klaus