Liebe Helikopter-Fans,

zur Abwechslung mal wieder ein Beitrag von mir (Rüdiger) zum Thema “Flybarless”.
In letzter Zeit liest und hört und sieht man immer öfter das Wörtchen “Flybarless”, doch was ist das überhaupt?


Ein Rückblick in die Geschichte
Um euch das erstmal zu erklären, machen wir kurz einen Abstecher in die Vergangenheit und checken erstmal was ein “Flybar” ist. Ein Hubschrauber an sich fliegt zunächst nicht eigenstabil. Einen Hubschrauber zu fliegen ist in etwa so, wie einen Stab auf der Spitze zu balancieren, ein ewiges korrigieren und nachführen ist notwendig.

Damit hatten und haben auch die großen Helis zu kämpfen. Und die ersten Modellnachbauten in den 1970er Jahren waren nicht fliegbar. Denn was beim großen Vorbild so gut funktionierte, weil die Großen halt groß und schwer und daher träge sind, war beim Heli Modell zum Scheitern verurteilt. Ein 4kg schweres Modell reagiert viel nervöser als ein 4 Tonnen schweres Flugmonster.

Doch ein schlauer Ingenieur namens Hiller hatte da eine geile Idee: Lasst uns doch einen zweiten, kleineren Rotor unterhalb des eigentlichen Rotors einbauen! Wir steuern nur den kleinen Rotor an und der ist gekoppelt mit dem großen Rotor. Quasi ein Übersetzung. Das war es! So einfach ist das. Damit waren die großen Hubschrauber plötzlich sehr stabil unterwegs und sehr exakt steuerbar.


Der Durchbruch für unser Heli-Modelle
Und was im Großen klappte, brachte dann auch den Durchbruch bei den Modellhubschraubern. In den 1970er baute Ing. Dieter Schlüter den ersten wirklich funktionierenden Modellhubschrauber. Und der Trick war halt der Einsatz dieser Bell-Hiller-Steuerung (Hiller war der Erfinder, Bell die Firma, die das in ihren Hubschraubern einbaute). Plötzlich konnten wir auch im Modellmaßstab Hubschrauber fliegen! Geil oder? Ach ja, und nochmals Danke Herr Schlüter.

T-Rex Reihe - Flybarless
Die neue T-Rex Reihe von align ist als Flybarless Version erhältlich.


Flybarless = ein Rotor ohne Hilfsrotor
Und diesen zweiten kleinen Rotor, den nennen wir hier “Paddel”, die Amerikaner “Flybar”.
Ah, jetzt wissen wir auch, was Flybarless bedeutet: ein Rotor ohne diesen Hilfsrotor! Doch wie fliegt denn ein solcher stabil? Gerade habe ich euch noch erklärt, dass es ohne Flybar nicht geht.

Nun, das regeln heute Elektronik und Mikrocomputer für uns. Ein Flybarless-System besteht nicht nur aus dem direkt angelenkten Rotor (ohne Flybar), sondern auch aus einem kleinen Stück elektronischem Wunderwerk. Dieser Kasten hat Sensoren in sich, die jederzeit erkennen, ob der Heli sich nach vorne neigt (“Nicken”), sich zur Seite neigt (“Rollen”) oder sich um die eigene Hochachse dreht (“Gieren”). Und weil er das erkennt, steuert er direkt dagegen. Das kann er, weil er zwischen Empfänger und Servos eingeschliffen wird. Wir haben also einen ganz coolen Autopilot, der uns künstlich die Stabilität erzeugt, die ein paddelloser Heli nicht haben kann. Ist das nicht cool?

Noch etwas zum Gieren, also dem Drehen um die Hochachse. Ein Riesenproblem, welches das Hubschrauberfliegen in der Anfangszeit extrem schwierig machte, war der Drehmomentausgleich. Sobald wir nämlich auch nur eine Kleinigkeit am Rotor steuern, ändert sich dort auch der Luftwiderstand der Rotorblätter. Wenn der sich aber ändert, dann will der Hubschrauber sich auch um den Rotor drehen. Und diesen Eigenwillen des Hubschraubers mussten wir damals von Hand mit dem Heckrotor aussteuern. Das war sehr schwierig und nur etwas für wahre Könner (z.B. mich “kleiner Scherz”).

Später kamen dann kleine Helferlein auf, die Kreisel. Das war früher wirklich ein hochdrehender kleiner Kreisel. Und ihr wisst, dass ein Kreisel immer versucht, seine Lage im Raum beizuhalten. Sonst würde ja auch ein Brummkreisel umfallen. Wenn nun der Hubschrauber sich um den Rotor drehte, wollte der Kreisel seine Position beibehalten. Und dieses Beharrungsvermögen (was für ein Wort, Danke Klaus) wurde elektronisch abgegriffen und ans das Heckservo weitergegeben, um der Drehung des Helis entgegen zu wirken. Und plötzlich war Hubschrauberfliegen möglich!

Heute nimmt man keine echten Kreisel mehr, sondern elektronische Bauteile, die ebenfalls Lageänderungen registrieren. Dennoch sagen wir aus Gewohnheit immer noch Kreisel zu diesen tollen Teilen. Also ist ein Flybarless-System gleichsam ein System aus drei Kreiseln – einer für jede Achse im Raum – und einem sehr klugen Computer, der immer exakt die Kreiselimpulse an das Servo weitergibt.


Was bietet nun ein Flybarless-System für Vorteile?
Der Hubschrauber wird zum einen sehr eigenstabil. Einmal abgehoben trotzt er tapfer jeder Windböe, er steht wie angenagelt in der Luft. Andererseits wird er aber auch extrem wendig und spricht hochsensibel auf Steuerimpulse an, weil der Hilfsrotor fehlt. Dazu kommen noch mehr Leistung durch weniger Widerstand, der zweite Rotor muss ja nicht bewegt werden, und durch weniger Gewicht. Durch den Computer kann man die Flugeigenschaften in weiten Grenzen anpassen, von “fliegt wie ein Koax” bis zu “unfliegbar, weil zu nervös”. Für die Scale-Fans: vorbildähnliche Rotorköpfe mit 3, 4, 5 oder mehr Blättern sind möglich, weil auf das Paddel verzichtet wird.


Und die Nachteile?
Hmm, wenn ich recht überlege, dann nur der Preis. Denn im Moment sind Flybarless-Helikopter noch teurer. Aber ich glaube, das wird sich schnell ändern. Ich möchte soweit gehen und jedem, der aus dem Koax-Alter herausgewachsen ist und “richtige” Helis fliegen möchte, raten nur noch einen Flybarless-Heli zu kaufen. Die anderen Systeme werden wohl recht schnell vom Markt verschwinden.

Ich hoffe, euch etwas Klarheit verschafft zu haben! Und danke Klaus für die Unterstützung beim Schreiben dieses Artikels.


Dann hebt mal ab.

Euer Rüdiger


2 Kommentare zu “Was bedeutet “Flybarless”?”

  1. am 19. November 2012 um 18:25 1.Kevin schrieb …

    echt geil erklärt wenn ich dich hier auch noch abonieren könnte würde ich es tun :)

  2. am 28. Januar 2013 um 15:56 2.Wellensteyn Weste günstig Damen WJW03H schrieb …

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