Was bedeutet Trimmen im RC Modellbau?

Geschrieben von Klaus am 14. März 2010 | Abgelegt unter Für Anfänger, Grundwissen

Sehr oft gebrauche ich hier in meinem Blog das Wort “Trimmen”?
Doch was bedeutet das denn im Zusammenhang mit RC Modellen?

“Trimm dich”
Kein RC Modellflugzeug fliegt sofort geradeaus, kein RC Rennboot erreicht bei seine Jungfernfahrt die höchste Geschwindigkeit, kein Kunstflugzeug hat auf Anhieb die gewünschten Flugeigenschaften und kein RC Segelschiff liegt von Anfang an perfekt am Wind. Unseren Modellen die gewünschten Eigenschaften beizubringen, ihnen den letzten “Feinschliff” am Benehmen und in Punkto Leistung zu verpassen, das bezeichnen wir RC Modellsportler mit Trimmen. Insofern besteht also schon eine Ähnlichkeit mit dem “Trimm-Dich” des Sports: laufen können wir, aber richtig laufen, das lernen wir.


Korrekturen mit dem Trimmhebel am Sender

Der einfachste Fall des Trimmens ist auch der häufigste: das Modell fliegt oder fährt ab und zu nicht perfekt geradeaus, sondern nach links oder rechts. Grund dafür kann zum Beispiel sein, dass etwas Spiel im Servo herrscht oder sich die Temperaturen seit dem letzten Start geändert haben und somit auch die Nullstellung der Ruder sich verändert hat. Solche kleinen und kleinsten Korrekturen an der Flugbahn nehmen wir mit der Trimmhebeln am Sender vor. Das geschieht wirklich bei jedem Start und häufig auch während des ganzen Fluges bzw. der ganzen Fahrt.

Erklärung anhand eines Flugmodells

Was das Trimmen für perfekte Leistung im Detail bedeutet möchte ich gerne am Beispiel eines RC Segelflugmodells erklären. Nehmen wir an, wir haben unser RC Segelflugzeug fein gebaut und uns redlich an die Bauanleitung gehalten, alles ist bereit zum ersten Start. Alle Ruder sind in Neutralstellung, der Schwerpunkt ist nach Anleitung und Bauplan justiert und nach der Kontrolle der Reichweite wagen wir es, das Modell mit einem ersten Schubs aus der Hand heraus seinem Element zu übergeben.

Nun beobachten wir die Flugbahn: ist sie sehr steil dem Erdboden entgegen geneigt? Oder bäumt sich das Modell zunächst auf, um dann sogar abzukippen? Oder fliegt es wie gewünscht sanft der Weise entgegen? Im ersten Fall müssen wir etwas Ballast aus der Nase nehmen oder/und das Höhenruder etwas auf “hoch” verstellen also trimmen. Im zweiten Fall dagegen genau andersherum: etwas mehr Ballast in die Nase, das Höhenruder leicht nach unten verstellen. Aber nicht zuviel und nicht alles auf einmal, weil all diese Einflussgrößen sich gegenseitig beeinflussen! Das ist zunächst die grobe Einstellung des Schwerpunkts des Modells.

Sind wir dann mit dem Gleitflug aus der Hand zufrieden, können wir den ersten höheren Flug – per Hochstart oder per Motor – in Angriff nehmen. Und dort oben haben wir mehr Zeit, die Flugbahn gut zu beobachten: mit der Trimmung (also der Feinverstellung der Nullpunktes) am Sender stellen wir eine Gleitbahn ein, die uns gut erscheint, nicht zu schnell und nicht zu langsam, gleichmäßig soll der Segler seine Bahn ziehen.

Sind wir damit zufrieden, dann wird es spannend: wir drücken das Segelflugzeug in eine ca. 45° abwärts geneigte Flugbahn, lassen  dann das Tiefenruder los und beobachten: Schnellt die Flugzeugnase plötzlich empor, so müssen wir noch etwas Gewicht aus der Nase entfernen. Wird die Flugbahn dagegen immer steiler, so muss etwas Gewischt in die Flugzeugnase. Richtig ist es, wenn das Modell sicht von alleine sanft aus dem Stechflug abfängt und seine vorherige Gleitbahn wieder aufnimmt. Das ist jetzt genau andersherum als beim sanften Gleitflug aus der Hand, denn hier geht es um die Feinabstimmung des Schwerpunktes.

An diesem Beispiel wird deutlich, dass das korrekte Trimmen nicht einfach ist und viel Erfahrung und Wissen braucht. Auch wenn die meisten heutigen RC Modelle von Hause aus schon sehr gut fliegen, sollten wir uns dennoch für das Trimmen genug Zeit nehmen. Denn nur dadurch wird aus einem guten Modelle ein sehr gutes Modell!

2 Kommentare zu “Was bedeutet Trimmen im RC Modellbau?”

  1. am 17. Juli 2011 um 14:58 1.Hans Kromm schrieb …

    Hallo,lieber Klaus! Bin mit 55 noch Anfänger im Slow-Flyer Fliegen, und habe noch keinen erfolgreichen Start hinter mir. (Parkland Slowflyer Piper J-3 Cub)-

    Probleme habe ich mit dem “Trimmen”- was bedeutet das im einzelnen bei diesem Modell? Durch Deine Erklärung auf Deiner dieser Seite ist mir die Bedeutung schon deutlicher geworden. Jetzt geht es ans Praktische. Ich denke. viele Anfänger haben mit dieser Grundlegenden Sache ihre Schwierigkeiten.

    Vielleicht kannst Du hier noch was für Slowflyer mit Elektromotor hinzufügen. Danke!

    Grüße

    Hans

  2. am 22. Juli 2011 um 08:54 2.Klaus schrieb …

    Hallo Hans,

    ach herrje, noch keinen erfolgreichen Start mit einer Piper? Ich kenne das
    Modell von Parkland nicht “von Angesicht zu Angesicht”, aber eine Piper sollte
    immer fliegen. Hast du versucht, vom Boden zu starten oder aus der Hand? Zu
    Anfang sollte man solche Modelle aus der Hand starten.

    Was genau ist denn schief gegangen? Hast du auch einen ruhigen und windstillen
    Tag abgewartet? Ist dein Flugfeld auch dafür geeignet? Ei, das ist schwer aus der
    Entfernung Rat zu erteilen ohne das Flugzeug gesehen zu haben. Daher kann ich
    dir auch von hier aus auf die Schnelle leider nur den Tipp geben, dir einen
    erfahrenen Modellflieger in deiner Nähe zu suchen. Es gibt sicher einen Verein
    auch bei dir, die Kollegen dort werden dir ganz sicher gerne unter die Arme und
    dem Modell unter die Flügel greifen.

    Und ob du es glaubst oder nicht: ich schreibe seit einigen Tagen an einem
    kleinen Beitrag, der Anfängern das Einfliegen erklären soll. Also hab bitte
    etwas Geduld.

    Liebe Grüße

    Klaus

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