Lieber Freunde der nassen Modelfliegerei,

jetzt wo der Schnee endlich weg ist und die Seen wieder frei von Eis sind, ist es möglich endlich wieder das geliebte Wasserflugzeug auszupacken. Doch Start und Landung will geübt sein.
Viele von euch werden vielleicht schon ein Wasserflugmodell haben und es eventuell sogar schon einmal vom Wasser gestartet und gelandet oder besser gewassert haben. Und dabei habt ihr sicher bemerkt, dass das alles zwar nicht schwierig ist, aber doch um einiges anderes als Starten und Landen von der Flugwiese. Drum lasst mich euch ein paar Tipps geben, ich mache das schon recht lange und möchte euch gerne helfen, damit ihr nicht die gleichen Fehler macht wie ich sie machte.

Das Modell – gleich ob ein Schwimmerflugzeug oder ein Flugboot – sollte natürlich schon eingeflogen sein, bevor ihr das erste Male zum See fahrt. Ihr kennt das Modell, ihr wisst wie es fliegt, nichts überrascht euch mehr an der Flugmaschine. Ihr habt auch alles abgedichtet, wie ich es schon erläutert habe, die Akkus sind geladen dann hinaus zum See!


Das Wetter ist entscheidend
Fangen wir mit dem Wetter an. Nichts ist schlimmer beim Wasserfliegen als zu starker Wind! Denn starker Wind verursacht auch hohe Wellen und die mögen unsere Modelle – bis auf die richtig großen Brocken, aber über die sprechen wir hier nicht, die darf man ja kaum irgendwo fliegen – gar nicht gerne leiden. Dann sind auch noch dummerweise die meisten Seen, auf denen wir fliegen möchten, von hohen Bäumen umgeben. Und wenn der starke Wind über die Bäume weht haben wir dicht am Ufer, wo wir am liebsten fliegen, Turbulenzen, die das Fliegen nur erschweren. So schaut also bitte BEVOR ihr zum See fahrt auf den Wind. Direkt am Ufer, hinter den Bäumen, ist es oft windstill, aber wehe ihr kommt in die Turbulenzen. Eine Faustregel für normale Modelle: je kg Abfluggewicht maximal ein Beaufort an Windstärke. Wiegt unser Modell gerade mal ein halbes Kilogramm, so sollten wir wirklich Windstille oder maximal 1 Windstärke abwarten. Ein 4kg Modell kann auch durchaus 3-4 Windstärken verkraften.

Das folgende Video zeigt den erfolgreichen Start und die Landung meiner geliebten Seabee. OK, die windverhältnisse waren an diesem Tag alles andere als gut. Ich habe hier auch mal was riskiert. Also nicht nachmachen.


Video: Mit der Seabee durch Wind und Wellen


Windrichtung beachten
Nun zur Windrichtung. Das Optimum ist Wind parallel zum Ufer, dann haben wir keine Turbulenzen, können quer starten und ganz wichtig können zur Wasserung lang und weiträumig gegen den Wind anfliegen. Auflandiger Wind, also Wind der zum Ufer hin weht, geht auch noch. Dann können wir schön von uns weg starten, müssen aber zur Wasserung entweder quer zum Wind anfliegen und aufsetzen oder aber im letzten Moment noch eine Kurve von uns weg fliegen und gegen den Wind aufsetzen. Diese letzte Kurve in geringer Flughöhe (2-5 Meter) und dann das Aufsetzen von sich weg vielleicht schon etwas draußen auf dem See ist allerdings nicht jedermanns Sache. Ganz schlecht ist ablandiger Wind, also Wind, der vom Ufer wegweht. Denn dann müssten wir auf uns zu starten und wassern. Das tut man nicht, das ist gefährlich! Und dazu kommt noch, dass dann wenn wir Bäumen hinter uns haben, uns die Turbulenzen genau da erwischen, wo wir sie gar nicht brauchen: bei Start und Wasserung. Noch schlimmer: stellt euch vor euer Modell triebt auf dem See, weil der Akku leer ist, oder sich ein technischer Defekt eingeschlichen hat. Bei ablandigem Wind treibt euer schönes Modell immer weiter weg von euch! Drum mein Tipp: fliegt niemals nicht bei ablandigem Wind!


Manövrieren auf dem Wasser
Das Manövrieren auf dem Wasser ist das nächste Thema. Auf der Wiese ist das ja alles kein Problem, wir legen oder stellen das Modell dorthin, von wo es starten soll. Und nach der Landung rollen wir entweder zurück oder holen es einfach von der Wiese. Auf dem Wasser dagegen MÜSSEN wir zum Startpunkt fahren (ja, auf dem Wasser sagt man “Fahren”! Auf dem Land niemals, da nennen wir das “Rollen”) und nach der Wasserung zurück zum Ufer fahren, denn wir können ja schlecht zum Modell gehen und es abholen. Wenn wir ein Flugzeug mit einem Motor haben, brauchen wir ein Wasserruder. Nur damit lässt sich auf dem Wasser lenken. Ohne Eingriff wird sich das Flugzeug immer in den Wind drehen und mit dem Wind und eventueller Strömung abtreiben. Also geben wir etwas Gas, gerade so viel, dass das Modell sich bewegt, ziehen voll am Höhenruder und lenken nur mit dem Seitenruder. Durch das Höhenruder taucht zum einen das Wasserruder tiefer ein (oft braucht man gar keins, oft reicht auch das eh schon vorhandene Spornrad aus) zum anderen werden die Schwimmerspitzen etwas angelupft und tauchen nicht so leicht ein. Wenn das Modell partout nicht den Lenkmanövern gehorchen will, so gebt mehr Gas. Dadurch wird das Seitenruder stärker angeblasen und somit wirkt es besser.

Das gleiche gilt im Grunde genommen auch für mehrmotorige Wasserflugzeuge und Flugboote. Nur haben wir es hier einfacher, weil wir kein Wasserruder benötigen. Wir haben nämlich schon daheim die Motoren auf das Seitenruder gemischt und zwar mit einem Schalter ein- und ausschaltbar. Ich mache es gerne wie folgt: bei einem 3-Stufenschalter sind bei vorderster Schalterposition die Mischer ausgeschaltet. Das Seitenruder steuert nur das Seitenruder und sonst nichts. In der hintersten Position dagegen wird bei Seitenruder rechts die Drehzahl des LINKEN Motors etwas erhöht, bei Seitenruder link entsprechend die Drehzahl des RECHTEN Motors. Das ist die Schalterstellung um zur Startstelle bzw. von der Landestelle zurück zu manövrieren. Etwas Gas geben, so dass sich das Modell bewegt, Höhenruder ziehen und mit dem Seitenruder – jetzt mit dem Mischer auch mit Motorunterstützung – lenken. Die mittlere Schalterstellung dagegen ist die Startstellung: weil wir meist beim Start Vollgas geben, nützt es gar nichts, wenn wir hier bei Seitenruder die Drehzahl eines Motor erhöhen wollen, mehr als Vollgas geht halt nicht. Vielmehr wird bei dieser Schalterstellung die Drehzahl eines Motors verringert. Gebe ich Seitenruder links, verringert sich die Drehzahl des LINKEN Motors, bei Seitenruder rechts, die des RECHTEN Motors. Diese Schalterstellung nutze ich aber nur für die ersten Sekunden des Starts, sobald das Modell genug Fahrt aufgenommen hat, dass das Seitenruder auch ohne Motorunterstützung wirkt, lege ich den Schalter fix auf die normale Mischer-Aus-Position. Denn viele Model verhalten sich im Fluge sehr “zappelig” und nervös, wenn zum Seitenruder auch noch die Motoren angesteuert werden, das ist des Guten zuviel.


Startrichtung
Ja, ich höre sie schon, die Frage nach der Startrichtung: was sollen wir machen, wenn Wind und Wellen nicht parallel sind. Wenn also der Wind von links kommt und die Wellen von vorne? Da gehen die Meinungen auseinander. Ich sage: Start und Wasserung immer gegen den Wind! Denn der Gegenwind verkürzt Start- und Landstrecke ganz erheblich. So erheblich, dass wir die Wellen nicht mehr merken. Andere wiederum sagen, immer senkrecht zu den Wellen starten und wassern und den eventuellen Seitenwind aussteuern. Das gefällt mir persönlich nicht so gut. Vielleicht ist das auch Gewöhnung und Geschmackssache.


Der Start: Ready for take off
Ruderkontrolle habt ihr durchgeführt? Das Modell hat die Nase im Wind, der Motor läuft (die Motoren laufen), dann kann es ja losgehen: Start! Hat euer Modell Landeklappen? Dann fahrt sie auf ca. 20° Grad aus, weil das die Startstrecke erheblich verkürzt! Langsam Gas geben niemals nicht plötzlich Vollgas geben! Dann würde ein Schwimmerflugzeug unter Umständen einen Kopfstand machen und dann ist der Spaß vorbei. Ein Flugboot ist da härter im Nehmen, aber gut ist das auch nicht, weil die Propeller Spritzwasser aufnehmen könnten. Also langsam Gas geben und das Modell beschleunigen, Höhenruder voll ziehen, mehr Gas, noch mehr Gas, mit dem Seitenruder den Kurs halten, mit dem Querruder bei einem Flugboot die Flügel horizontal halten. Ihr habt ein mehrmotoriges Modell? Dann jetzt den Schalter auf Mischer-Aus umlegen. Und plötzlich werdet ihr merken, dass sich das Modell etwas aus dem Wasser hebt und schneller wird. Das ist der Augenblick, in dem das Modell ins Gleiten kommt. Wir sagen es “geht auf Stufe”. Jetzt sofort das Höhenruder auf neutral stellen, Vollgas sollte mittlerweile anliegen. Weiter mit Seitenruder den Kurs halt, mit dem Querruder die Flügel horizontal. Lassen wir nun das Flugzeug noch mehr Geschwindigkeit aufnehmen – gleich ist es soweit – und dann lupfen wir das Modelle mit einem leichten Höhenruderausschlag vom Wasser ab. Jetzt noch ein paar Meter horizontal über das Wasser fliegen um mehr Fahrt aufzunehmen und dann können wir fliegen wie gewohnt. Aber Achtung: wenn wir ein Schwimmerflugzeug haben, das wir ohne Schwimmer oft geflogen haben, werden wir feststellen, dass sich das Flugverhalten etwas ändert: Gewicht und Widerstand der Schwimmer sind nicht zu unterschätzen.

Das sollte alles ganz toll klappen bei gut motorisierten Modellen. Doch wenn wir spiegelglattes Wasser haben, dann gibt es ab und an Schwierigkeiten mit schwach motorisierten Maschinen. Die “kleben” dann förmlich am Wasser und kommen nicht auf Stufe. Das liegt daran, dass sich keine Luft zwischen Schwimmer und Wasser einschmuggeln kann. Was dagegen aber hilft ist, sich selbst die Wellen zu erzeugen. Wir fahren einfach im Startgebiet ein paar Achten und starten dann solange die kleinen Wellen, die wir selbst hinterlassen haben, noch da sind. Schwupp – dann klappt es auch mit dem Wiesenschleicher beim Start!

Nun fliegen wir erst einmal genüsslich unsere Runden. Doch auch hier Obacht: Fliegt den Akku nicht leer! Ihr braucht noch etwas Reserve, denn a) wird nicht jede Wasserung gelingen und wir werden bestimmt ein- oder zweimal durchstarten müssen und b) müssen wir ja noch zum Ufer zurück fahren und das geht nur, wenn wir noch etwas Kapazität im Akku haben. Besonders wenn ihr – wie oben erwähnt – ein gewohntes Modell nun mit Schwimmern fliegt, achtet bitte darauf, dass durch die Schwimmer die Flugzeit deutlich reduziert ist, weil ihr mehr Gas geben müsst.


Der Höhepunkt: Die Wasserung
Nun zum spannenden Höhepunkt, der Wasserung. Leichte Modelle und Slowflyer kann man wassern wie man sie landet: ganz langsam machen, im letzten Moment voll durchziehen und “platsch” sitzen sie auf der Wasseroberfläche. Da geht zwar auch, ist aber nicht schön. Wir wollen ja genüsslich wassern, mit langem Gleiten auf der Wasseroberfläche, etwas fürs Auge haben und nicht nur einfach ankommen, oder? Nun, das schöne Wassern ist wirklich anspruchsvoll, aber das schaffen wir schon! Ich gehe jetzt davon aus, dass wir ob der örtlichen Gegebenheiten schön gerade und lange gegen den Wind anfliegen können. Haben wir auflandigen Wind, dann müssen wir das alles genau so machen wie gleich beschrieben, wir fliegen also parallel zum Ufer an, nur halt kurz vor dem Aufsetzen (in ca. 2-5 Metern Höhe) drehen wir noch eine Kurve in den Wind hinein.

Also fliegen wir parallel zum Ufer – gegen den Wind – mit Schleppgas in ca. 10 Meter Höhe an. Schleppgas bedeutet hier, dass wir gerade soviel Gas stehen haben, dass unser schönes Modell weder Höhe gewinnt noch verliert. Und dabei ist es fein langsam getrimmt, also ein, zwei Zacken Höhe sind getrimmt. Habt ihr Landeklappen an eurem Modell, dann fahrt sie bitte voll aus. Das sollten wir fein auf unserer Flugwiese üben. Jetzt nehmen wir etwas Gas heraus, damit unser Modell langsam der Wasseroberfläche entgegen sinkt. Bitte nicht das Gas schlagartig auf Leerlauf stellen, dann bekommen wir nämlich wieder unsere “Platsch”-Wasserung. Vergesst bitte nicht, dass unsere Wasserflugzeuge keine Segler sind, sondern gleich ob Schwimmerflugzeug oder Flugboot, viel Widerstand haben. Daher haben bei Leerlauf  die allermeisten Wasserflugmodelle einen ganz schlechten Gleitwinkel.

Jetzt sinkt unser Modell gleichmäßig dem Wasser entgegen, mit Seitenruder halten wir den Kurs und achten mit dem Querruder tunlichst darauf, dass die Flächen horizontal bleiben. Denn es gibt wenig Schlimmeres beim Wasserfliegen, als wenn das Flugzeug schräg aufsetzt und ein Schwimmer plötzlich sich im Wasser “verhakt”. Das kann böse Folgen haben. Jetzt – in ein paar Zentimetern Flughöhe, kurz vor dem Kontakt mit dem Wasser – gleichen wir die Flugbahn mit dem Höhenruder an die Wasseroberfläche an. Das Höhenruder so halten und noch etwas Gas herausnehmen und schon setzt das Modell sanft auf und gleitet weiter auf dem Wasser. Wer gut mit dem Gas umgeben kann, darf jetzt etwas Gas geben. Gerade so viel, dass der erhöhte Schub auch den erhöhten Widerstand durch das Wasser ausgleicht. Dann gleitet das Modell noch weiter auf Stufe. Wenn man das übt – und glaubt mir, es ist gar nicht so einfach! – dann kann man das Flugzeug recht lange im Gleiten halten. Das sieht so richtig schön aus. Wenn wir jetzt den Motor drosseln, dann hört das Gleiten recht schnell auf und das Modell verliert schnell an Geschwindigkeit bis es nur noch auf dem Wasser dümpelt oder langsam fährt. Nun ist bei einem mehrmotorigen Flugzeug wieder die Zeit für den Mischer-Schalter gekommen: auf Stellung “Manövrieren” gesetzt können wir nun das Modell zum Ufer retour steuern.

Kurz gesagt: der ganze Zauber bei einer hübschen Wasserung besteht darin, mit genügend Geschwindigkeit – mehr als wir bei einer Landung über Grund hätten – anzufliegen und sich ganz, ganz sanft der Wasseroberfläche zu nähern. Wir fliegen also an das Wasser heran und setzen das Modell nicht einfach auf das Wasser.

So, meine Freunde, das ist wieder ein langer Artikel geworden und ist auch reichlich spät geworden. Aber ich denke, er wird euch weiterhelfen. Versucht es doch einfach einmal!

Holm -und Rippenbruch und Mast- und Schotenbruch wünscht euch

Klaus

10 Kommentare zu “RC Wasserflug: Richtig Starten und wassern”

  1. am 18. März 2013 um 11:25 1.Klaus schrieb …

    Toller Artikel, kriegt man richtig Lust zum Wasserfliegen!

    lg Klaus

  2. am 18. März 2013 um 14:57 2.Schokokeks schrieb …

    Spitze :)

  3. am 28. März 2013 um 13:39 3.Dennyobi schrieb …

    Hallo Klaus ich habe mal eine Frage an dich und zwar macht robbe noch Veranstaltungen wie zb Tag der offenen tür oder etwas ähnliches? mfg

  4. am 2. April 2013 um 14:21 4.Klaus schrieb …

    Hallo Schokokeks,
    habe extra nochmal bei robbe für dich nachgefragt.
    Leider gibt es so etwas nicht. Schade eigentlich.

    Viele Grüße

    Klaus

  5. am 30. April 2013 um 21:19 5.Flo schrieb …

    Wann kommt mal wieder ein Video?

  6. am 1. Mai 2013 um 13:33 6.Dennyobi schrieb …

    Lebt ihr noch? Hallo Klaus es ist Flugwetter deine fans warten auf neue Videos!!! Mfg

  7. am 4. Mai 2013 um 13:52 7.mypTx schrieb …

    Hey Klaus und Rüdiger,

    das Wetter ist doch wieder besser, ich warte Sehnsüchtig auf neue Videos von euren Ausflügen.

    Viele Grüße
    mypTx

  8. am 27. Mai 2013 um 18:17 8.Flo schrieb …

    passiert hier noch was??? :(

  9. am 5. Juni 2013 um 02:15 9.mypTx schrieb …

    Ich schau hier jeden Tag nach ob nicht doch mal eine News kommt :(

    Klaus und Rüdiger, wir warten hier alle sehnsüchtig auf Flugvideos. Wir wollen Weiteres lernen von euch erfahrenen Fliegern.

  10. am 5. Juni 2013 um 13:59 10.Johann schrieb …

    hy Klaus,
    Ich wollte mal fragen ob du und Rüdiga schon wieder Befreudet seit,und es wer echt cool wen ihr neue Vidieos machen könntet. Auserdem wer es cool wen die Vidieos länger dauern würden so 3 Minuten.

    Wer echt cool viele Grüße noch !