Bei unseren Verbrennungsmotoren unterscheiden wir zwei Typen: zum einen gibt es die Benzinmotoren, die tatsächlich oft umgebaute Baumsägenmotoren sind und mit Benzin-Öl-Gemisch von der Tankstelle laufen. Ganz wie mein tapferes Mofa. Und genauso haben sie auch eine Zündkerze, die dafür sorgt, dass das Treibstoff-Luftgemisch sich auch zum rechten Zeitpunkt entzündet. Daneben gibt es noch die klassischen Modellmotoren. .Die heißen “Glühzünder” und werden mit einem Gemisch aus Methanol, Öl und manchmal etwas Nitromethan betrieben. “Glühzünder” deshalb, weil sie keine Zündkerze haben, die einen Funken erzeugt, sondern eine “Kerze”, die andauernd glüht und damit das Gemisch zur Explosion bringt. Über diese letztgenannten Kameraden möchte ich etwas erzählen.


Der Treibstoff

“Sprit” so nennen wir den Treibstoff. Wie schon erwähnt besteht er hauptsächlich aus Methanol. Dazu kommen ca.. 10-20% Öl für die Schmierung und die innere Kühlung der Motoren, je nach Motortyp. Früher war das ausschließlich Rizinusöl. Das schmierte zwar recht ordentlich, klebte aber auch ganz fürchterlich. Die Abgase hinterließen auf dem Modell einen widerlich zähen Ölfilm, der wenn man ihn nicht sofort entfernte, eintrocknete und das schöne Flugzeug unansehnlich werden ließ. Und es hinterließ im und am Motor Ölkohle beim Betrieb. Diese Kohle schadete dem Motor und musste regelmäßig entfernt werden.

Heute gibt es viel bessere synthetische Öle, die alles besser können. Sie schmieren besser, sie verkokeln nicht und sie sauen das Modell über die Abgase nicht ganz so stark ein. Manche dieser Öle haben aber den Nachteil – heute nicht mehr so stark wie vor einigen Jahren – dass sie manche Farben auflösen und bei längeren Standzeiten des Motors zu Rost im Motor führen können. Ersteres machte aus einem hübschen Flugzeug ein hässliches Entlein und letzteres hat so manchen Motor in einen unbrauchbaren Klumpen Rost verwandelt. Das ist aber mit den heutigen Ölen fast keine Frage mehr, da war die chemische Industrie ganz fleißig.

Teils wird dem Sprit dann auch etwas (5-15%) Nitromethan beigemischt. Das ist ein Höllenzeugs und sehr gefährlich! Es ist leicht entflammbar und kann sogar mit etwas Pech explodieren! Aber es sorgt auch in geringen Mengen für einen kühleren, sanfteren und zuverlässigeren Motorlauf. In hohen Dosen, ab ca. 10% steigt auch die Leistung nicht unerheblich an. Rennmotoren bekommen im harten Einsatz auch mal gerne bis zu 40, 50% davon in den Tank…

Früher habe ich meinen Sprit auch selbstgemischt, heute aber gibt es viele Anbieter, die sehr guten Treibstoff verkaufen, ja auch versenden. Das ist auch besser so, denn beim Mischen war mir immer etwas unwohl, dass meine Gesundheit auch keinen Schaden nimmt. Schließlich ist Methanol giftig, es kann zum Erblinden führen. Also, lasst bitte im Umgang mit dem Treibstoff immer viel Sorgfalt walten, niemals etwas in den Mund nehmen!


Betankung des Flugzeugs

Bevor wir den Motor anwerfen, müssen wir unser Flugzeug betanken. Ich habe dazu eine Handpumpe mit einer kleinen Kurbel. Noble Menschen besitzen eine elektrische Pumpstation, finanzarme Schüler füllen den Sprit mit einer großen Spritze vom Kanister in den Tank, was aber nur eine Notlösung sein darf.

Betankung meines RC Motorflugzeugs Lucky Stik

Das Anwerfen und das Einstellen eines Glühzünders bedarf etwas Übung. Hier kann ich viel, viel schreiben, aber lernen müsst ihr es selbst. Ich beschriebe es einmal in Stichworten:

Ansaugen. Der Motor muss zunächst mit Sprit versorgt werden. Dazu öffnen wir die Drossel ganz, halten den Vergaser mit dem Finger zu und drehen langsam den Propeller durch. Dabei kann man schöne sehen, wie der Sprit durch die Schläuche zum Motor gepumpt wird, allein durch den Unterdruck im Kurbelgehäuse. Wenn der Motor beim Durchdrehen “schmatzt”, dann hat er genug Sprit. Fühlt er sich beim Durchdrehen trocken an, ist es zuwenig Treibstoff gewesen. Wenn er sich nur mehr schwer oder gar nicht drehen lässt, dann hat er zuviel! Wenn wir einen solchen “abgesoffenen” Motor mit Gewalt durchdrehen täten, ginge er kaputt. Wir müssen ihn zunächst schräg halten, damit der überflüssige Sprit durch den Auspuff abfließen kann, und dann langsam durchdrehen.
– Drosseln, etwas Gas geben und die Glühkerzenklemme anschließen. Ich sagte hier oben, dass unsere Motoren eine Glühkerze haben. Diese glüht wie der Name schon sagt immer vor sich hin und sorgt damit für die Zündung des Gemischs. Wenn der Motor erstmal läuft, dann bleibt sie am Glühen allein durch die Wärme des Verbrennungsvorgangs. Aber wenn der Motor noch nicht läuft müssen wir sie zum Glühen bringen. Und das machen wir mit Strom (1,5 – 2Volt) und der Glühkerzenklemme.
Anwerfen. Dazu müssen den Propeller zügig an”flippen” also anwerfen. Dabei NIEMALS mit dem Finger am Propeller drehen! Die Propeller sind messerscharf und wenn es zu einer Fehlzündung kommt und der Motor den Propeller zurückflitzen lässt, dann gibt das böse Wunden! Und wenn der Motor gar sofort anspringt und wir den Finger nicht schnell genug wegbekämen, dann wäre er ab. Also nehmen wir zum Beispiel einen dicken Schraubendreher, mit dessen Griff wir den Propeller anwerfen oder stülpen einen speziellen Schutz aus dickem Gummi über den Finger. Solche „Verhüterli“ gibt es im Modellbauhandel. Das richtige Anwerfen braucht etwas Übung, bis man den richtigen Dreh raus hat, dann klappt es aber ganz famos.

Motor anwerfen RC Motorflugzeug

– Wenn der Motor dann läuft lassen wir die Kerzenklemme noch etwas angeschlossen und lasen den Motor auf Betriebstemperatur kommen. Nach einigen Sekunden können wir dann die Klemme abnehmen, er läuft von selbst weiter. Wenn er das nicht tut, dann kann das mannigfaltige Gründe haben, die werde ich später mal erklären. Habt bitte Geduld!

– Nun müssen wir noch die Düsennadel einstellen. Die stellt das Verhältnis Luft zu Sprit ein, denn nur mit dem richtigen Gemisch Luft-Treibstoff läuft der Motor. Ein “mageres” Gemisch hat viel Luft, wenig Sprit, ein “fettes” dagegen weniger Luft aber mehr Sprit. Drehen wir die Düsennadel zu, so stellen wir den Motor magerer, drehen wir sie auf, dann fetter. Beim optimalen Gemisch läuft der Motor mit höchster Drehzahl ohne zu überhitzen. Eine zu fette Einstellung bedeutet weniger Leistung, zu mager dagegen ist sehr ungesund für den Motor, weil er dabei zu heiß läuft. Anders als bei den Benzinmotoren müssen wir bei Glühzündermotoren diese Düsennadeleinstellung peinlich genau vor jedem Start überprüfen. Wir halten unser Modell also gut fest, geben Vollgas und drehen vorsichtig an der Nadel, bis der Motor seien Höchstdrehzahl erreicht hat. Dann die Nadel wieder etwas aufdrehen und wir haben die beste Einstellung gefunden. Zur Kontrolle halten wir das Modell mit voll drehendem Motor senkrecht hoch. Läuft der Motor brav weiter, ist alles in Ordnung. Fällt er dagegen in der Drehzahl ab oder will gar ausgehen, dann ist er noch etwas zu mager: wir drehen die Düsennadel etwas auf. Wenn er kaum Leistung hat, stottert und blaue Wolken aus dem Auspuff lässt, dann ist unser Motor zu fett eingestellt, wir drehen die Nadel etwas hinein. Die Drehzahl müssen wir nicht messen, wir hören sehr gut am Jaulen des Motors heraus, ob die Drehzahl steigt oder fällt.


Sicherheit beachten
Bei all diesen Sachen sind wir aber immer ganz, ganz doll vorsichtig! Am besten hält ein Freund das Modell fest oder wir haben es mit einem Seil festgezurrt oder sonst irgendwie für einen sicheren Halt gesorgt. Und läuft der Motor erst, dann begeben wir uns flugs HINTER den Propeller und sorgen dafür, dass kein Zuschauer sich vor oder neben dem Propeller aufhält! Denn so ein Propeller kann sich schon einmal lösen und dann fliegt er nach vorne davon und kann böse Wunden erzeugen! Ach, ich habe schon einmal erlebt, wie sich bei einem Flugtag ein Propeller gelöst hatte. Schwupp, flog er davon und blieb in einem Campingstuhl stecken. Gott behüte, wenn in diesem Stuhl jemand gesessen hätte! Auch beschädigte Propeller haben ihre Tücken. Blitzschnell fliegt ein Blatt des Propellers davon und wird zum Geschoß. Daher: wenn ein Propeller beschädigt ist, zum Beispiel durch eine harte Landung oder Unachtsamkeit beim Transport, dann tauschen wir ihn aus und benutzen ihn nicht weiter!


Modell sauber halten ist das A und O
Nach dem Flug sieht unser Modell aus wie eine Ölsardine frisch aus der Dose. Denn anders als ein Automotor stoßen unsere Modellmotoren und hier ganz besonders die Glühzünder mit ihren Abgase auch einen Teil des Öls im Treibstoff wieder aus. Denn ein Großteil des Ölanteils dient gar nicht der Schmierung sondern der inneren Kühlung (innere Kühlung wäre auch manchmal etwas Gutes für Freund Rüdiger…und nicht nur für ihn.). Dieser Anteil wird nicht verbrannt sondern fliegt aus dem Auspuff und setzt sich auf unser Flugzeug. Schnell müssen wir es also aufs allersorgfältigste reinigen, bevor die Abgasreste die Chance haben ins Holz einzuziehen und dort für Schaden zu sorgen. Als Reinigungsmittel hat sich Mutter´s Fensterreiniger mit einem extra Schuß Spiritus sehr gut bewährt. Es muss halt etwas sein, was das Öl löst. Haushaltsreiniger oder Seifenlauge tun das nicht!

Ihr merkt, so ganz ohne ist die Handhabung eines Glühzünders nicht. Also ist es nicht verwunderlich, dass in Zeiten starker Elektroantriebe die Glühzünder ihre besten Tage hinter sich gelassen haben und mehr und mehr von den elektrischen Kollegen verdrängt werden. Aber die Glühzünder haben halt den großen Vorteil der überlegenen Laufzeit. Ein Akku ist schnell leer und dann muss man ihn laden, was doch Zeit braucht. Bei einem, Verbrennermodell wird einfach getankt und der Spaß geht weiter! Und die Motoren haben halt immer noch ein prima Leistungs-Gewichts-Verhältnis. Kein anderer Antrieb hat soviel Kraft bei sowenig Gewicht. Ich als nostalgischer Mensch hänge noch sehr an den Glühzünder, erinnern sie mich doch an meine Jugend, als ich mit dem lieben Vater Fliegen war. Damals hatten wir zwar auch schon elektrische Modelle, aber unsere besten Stücke hatten einen Verbrennungsmotor in der Schnauze.

2 Kommentare zu “Wie gehe ich mit Glühzündern um?”

  1. am 29. Januar 2013 um 20:40 1.Jörg W schrieb …

    Hallo finde ich für Neueinsteiger die Verbrenner lieber mögen, als so hochfrequenz Gesurre eines E-Motors,absolut ausreichend und verständlich erklärt wie man zum erstem mal mit einem Verbrenner umgehen sollte. So das man nicht gleich wieder bereut nicht doch auf die E-Fraktion Sachen Modellbau gehört zu haben.
    Mit freundlichem Gruß
    Jörg

  2. am 19. Juni 2013 um 13:49 2.leicht abnehmen schrieb …

    leicht abnehmen…

    Glühzünder für Verbrennermotoren bei RC Flugzeugen | RC Modellbau Blog…

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